Sobald man ein Kind hat geht eine neue Tür auf. Diese Türe führt nicht nur zu deinem neuen Alltag, all den wunderschönen und manchmal auch anstrengenden Momenten mit deinem Kind sondern leider auch zu Menschen, die sich ungefragt in dein bzw. euer Leben einmischen. Plötzlich befindest du dich in einer Position wo du dich für deine Entscheidungen rechtfertigen sollst und auch wenn Person A deine Erziehung ganz toll findet, du kannst sicher sein, dass mindestens Person Z sie total furchtbar findet. Was kannst du also tun um diesem Ansturm an Meinungen gelassener entgegen zu treten?

Warum ist mir dieses Thema so wichtig? Weil ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man urplötzlich vor dem Gefühl steht sich rechtfertigen zu müssen. Vor allem die Frage „Was? Dein Kind kann XY noch nicht?“ lag mir immer sehr schwer im Magen. Darum habe ich mir ein paar Verhaltensweisen zusammen gesucht, welche ich heute mit euch teilen will.

Gelassenheit ist eine Grundeinstellung die eine ruhige Haltung hervorbringt. Das bedeutet aber auch, dass man Gelassenheit nicht lernen kann, sondern als Einstellung übernehmen muss.

Freya

Was ist Gelassenheit?

Doch beginnen wir mit den Basics. Was ist Gelassenheit eigentlich? Viele Menschen haben eine ungefähre Vorstellung davon, aber so eine richtige Definition haben sie nicht parat.

1) maßvolle Haltung, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht

2) unbeteiligte Haltung, gedankliche Ferne

Definition Gelassenheit

Ganz schön schwammig nicht wahr? Es gibt aber ein Wort, dass direkt ins Auge springt: Haltung. Ich definiere das Ganze ein wenig eingängiger: Gelassenheit ist eine Grundeinstellung die eine ruhige Haltung hervorbringt. Das bedeutet aber auch, dass man Gelassenheit nicht lernen kann, sondern als Einstellung übernehmen muss. Du kannst nicht vorgeben gelassen zu sein und es dauert eine Zeit, bis du wirklich gelassener wirst. Doch die Tipps sollten dir dabei helfen diese innere Haltung Stück für Stück zu übernehmen. Du musst dich im ersten Schritt nur dazu entscheiden gelassener zu reagieren. Dann übernimmst du nach und nach die Verhaltensweisen und nach einiger Zeit – je nach Temperament – bist du gelassener. Glaubt mir, wenn ihr normalerweise schnell in die Luft geht, dann kann das durchaus ein Weilchen dauern – doch es lohnt sich. Aber nun kommen die Tipps:

1. Atmen

Ja, das klingt irgendwie logisch und ein wenig zu einfach, aber es wirkt. Atme einmal gaaanz tief ein, halte für 1 Sekunde die Luft an und atme dann gaaaaaaaanz lange und tief aus. Das beruhigt ein wenig und gerade wenn du das Bedürfnis hast gleich in die Luft zu gehen, weil irgendjemand deine Entscheidungen und deine Methoden in Frage stellt und du es nicht mehr hören kannst – atme. Die Person dir gegenüber will dich im Normalfall nicht verletzen und wenn du explodierst, tut es dir vielleicht im Nachhinein leid. Wenn du nach ein Mal atmen noch nicht gelassener bist – einfach wiederholen, bis der erste Impuls weg ist. Danach kannst du überlegen, wie du reagieren willst.

2. Bedank dich

Okay, ich sage es gleich vorneweg – dieser Vorschlag ist manchmal nicht so leicht umzusetzen. Wenn dein Gegenüber dir eine Stunde lang erklärt, dass du total unverantwortlich bist, dann kann dir ein „Danke für deine Sorge.“ vielleicht nicht so einfach von den Lippen kommen. Das verstehe ich vollkommen. Doch ich gebe dir ein Beispiel – in meinem Umkreis gibt es eine Person, die sich furchtbare Sorgen um die sprachliche Entwicklung meines Kindes gemacht hat. Er hat mit fast 2 Jahren vor Personen, die er nicht regelmäßig sieht einfach nicht gerne gesprochen und sein Wortschatz war auch nicht durch irgendwelches Training übermäßig groß. Wir haben benannt was wir so im Alltag gebrauchen und sehen oder wenn unser Kleiner etwas wissen wollte. Mich hat diese Panik anfangs wirklich genervt. Dann fiel mir auf – die Person sorgt sich einfach. Also habe ich mein Ego beruhigt, versucht gelassener zu werden und habe mich bedankt. „Danke für deine Sorge. Unser Kleiner kann reden, er ist auch nicht faul, er will nur einfach hier nicht reden.“ Thema erledigt! Ganz viele Menschen wollen einfach nur hören, dass du ihren Standpunkt auch bedenkst bzw. hörst. Wodurch wir zu unserem nächsten Punkt kommen:

3. Überlege warum andere so handeln

Das ist einer der Punkte, der mir unglaublich geholfen hat. Ich habe mir immer überlegt – aus welchem Grund beharrt die Person jetzt auf diesem Thema? Ist es Sorge, Wut oder sogar Eifersucht? Ja, andere Menschen können auch bei Themen die Erziehung betreffen eifersüchtig sein. Vielleicht konnte diese Person damals nicht so erziehen wie du es jetzt tust und hätte das eigentlich viel lieber gemacht! Das Thema Alltagsplanung ist zum Beispiel so ein Fall. Viele Menschen reagieren sehr kritisch darauf, dass ich meinen Alltag nach meinem Kind richte. Oftmals kommt dann der Satz „Ja, na ich konnte das ja damals nicht.“ Genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Kritik wird nicht immer zu Dingen geäußert die wir schlecht finden, sondern auch oft zu Themen, die uns emotional berühren und die wir auch gerne gehabt hätten.

4. Setze Grenzen

Kommen wir zu schwereren Fällen, ich gebe wieder ein Beispiel. Du triffst dich mit jemandem und die andere Person kritisiert dich für alles was du tust. Dein Verhalten ist falsch, du bist nicht streng genug, du bist zu streng, du tröstest zu viel, du bemutterst, du stillst zu viel, du stillst zu wenig, du stillst gar nicht, du machst dieses oder jenes falsch – du weißt worauf ich hinaus will. Hier hilft es natürlich auch, sich zu überlegen warum die andere Person das tut, aber das reicht nicht aus. In solchen Fällen musst (!) du Grenzen setzen. Das geht auch liebevoll, aber du muss wirklich konsequent bleiben. „Du, ich verstehe, dass du vieles anders siehst. Ich danke dir für deine Ratschläge, aber ich fühle mich wohler wenn ich meinen Weg gehe. Belassen wir es dabei.“ Ganz einfach im Normalfall. Es kann sein, dass die andere Person noch weiter diskutieren will, dann musst du die Grenze nochmal deutlicher ziehen. „Wenn du nicht damit aufhörst, dann muss ich das Treffen beenden.“ Das sind übrigens nur Vorschläge – du kannst die Sätze bauen wie du willst. Wichtig ist nur – sei höflich, freundlich und bestimmt. Wenn du sofort in die Luft gehst und der anderen Person ins Gesicht schleuderst wo sie sich ihre Ratschläge hinstecken kann, dann ist das nicht unbedingt die eleganteste Lösung.

5. Akzeptieren

Erneut ein einfacher Vorschlag, der manchmal etwas schwer umzusetzen ist. Manchmal müssen wir einfach akzeptieren, dass andere Menschen andere Werte haben. Da kann man noch so oft erklären, zeigen, Statistiken zitieren – es hilft alles nichts. Dann muss man das einfach akzeptieren und auch hier vielleicht eine Grenze setzen. Wenn dir die Ratschläge zu viel werden, kannst du auch liebevoll sagen „Du, ich finde es toll, dass du mir helfen willst, aber deine Ratschläge passen leider nicht zu den Werten die ich leben will.“ Erneut heißt es – liebevoll, freundlich, höflich und bestimmt. Drucks nicht herum, red es nicht schön, dulde nichts was dir nicht gut tut. Du bist dafür verantwortlich, dass es dir gut geht.

6. Lächeln

Ich höre förmlich, wie einige denken „Hä?“ Wenn wir lächeln – und ich rede von einem echten Lächeln – dann hat das nachweislich einen positiven Effekt auf unsere Laune. Wenn du merkst, dass deine Laune in den Keller sinkt, dann lächle einfach mal. Denk an was Schönes, schau dein Kind an, denk an einen Witz oder mach sonst etwas, dass dich zum lächeln bringt. Das nimmt deiner Reaktion den Schwung, du kannst das Ganze vielleicht aus einer neuen Position betrachten, bist gelassener und besser gelaunt und außerdem – lächeln schadet nicht. Vielleicht lächelt dein Gegenüber ja zurück 😉

7. Du bist nicht dein Verhalten/Nimm es nicht persönlich

Klingt irgendwie logisch und trotzdem definieren sich so viele Menschen über ihr Verhalten. Ja, unser Verhalten entsteht aus unseren Werten, aber wir sind so viel mehr! Wenn dein Gegenüber also darüber redet, dass Langzeitstillen nicht gut ist, dann kritisiert er nicht dich, sondern dein Verhalten. Weil es so wichtig ist, sage ich es noch einmal – Du bist nicht dein Verhalten. Wenn du dir das wirklich bewusst machst, dann fühlst du dich nicht mehr so schnell angegriffen. Denn die andere Person kritisiert dich ja gar nicht! Du wirst vielleicht sagen – ja klar ist logisch, aber nimm dir Zeit und denke über diesen Punkt nach. Wenn dieser Satz nämlich aus deinem Verstand ins Herz gesickert ist, bist du so viel gelassener als vorher. Zu diesem Punkt habe ich sogar noch zwei Sätze für dich. Realität ist subjektiv. Jeder Mensch nimmt seine Realität durch den Filter seiner eigenen Erfahrungen/Prägungen/Muster wahr. Was für dich stimmt, kann für jemand anderen komplett falsch sein. Diese Erkenntnis führt direkt zu einer weiteren – Ist die andere Person wütend/traurig, hat das nichts mit dir zu tun. Gefühle kommen immer nur aus der eigenen Geschichte und aus dem eigenen Herzen. Eine andere Person kann zwar der Auslöser sein, aber die Gefühle sind immer die eigenen.

8. Reframing

Bedienen wir uns der Psychologie – Reframing ist eine beliebte Technik von Therapeuten. Mit dieser Technik verschiebst du automatisch den Fokus. Die Aufgabe bzw. Frage lautet „Was kann ich aus dieser Situation lernen?“ Du nimmst die Aufmerksamkeit durch diese Frage weg von dem Negativen und konzentrierst dich auf das Positive. Man kann aus fast jeder Situation etwas lernen und wenn es „nur“ ist, früher eine Grenze zu setzen oder dich mit bestimmten Menschen nicht einzulassen. Auch das sind Lektionen, welche wir lernen müssen.

So, das waren jetzt sehr viele Informationen die ich dir recht kompakt zusammengefasst habe. Einiges davon wirst du vielleicht erst einmal sacken lassen müssen und ich empfehle dir vor allem Punkt 7 vielleicht noch ein paar Mal zu unterschiedlichen Zeiten zu lesen. Ich habe selbst sehr lange damit gekämpft, wenn andere mich kritisiert oder mit unangenehmen Fragen bombardiert haben. Vor allem die Frage „Was? Dein Kind kann XY noch nicht?“ hat mich total fertig gemacht. Ich dachte dann immer, dass ich vielleicht etwas falsch gemacht habe. Dabei wusste ich eigentlich, dass jedes Kind sich auf seine eigene Art entwickelt. Erst als ich mir diese 8 Tipps zusammengeschrieben und diese vor allem auch angewendet habe, bin ich gelassener geworden. Vielleicht ist ja der eine oder andere Tipp dabei, den ihr noch nicht kennt oder den ihr noch nicht umsetzt.

Habt ihr noch weitere Tipps um gelassener zu werden oder zu bleiben? Wie geht ihr mit Situationen um, in denen ihr denkt euch rechtfertigen zu müssen?