Familie Freya

Elternschaft, Beziehung, Persönlichkeitsentwicklung

Monat: Juni 2019

Was es heißt die volle Verantwortung zu übernehmen

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Verantwortung und man liest und hört als Tipp sehr oft „du musst die volle Verantwortung für das übernehmen was du tust.“ Doch was heißt das eigentlich?

Selfcare

Die volle Verantwortung klingt als ob die Last sehr schwer wiegen würde und man mehr Verantwortung übernehmen müsste als vorher. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Warum? Das ist ganz einfach. Wir sollen nicht für alles die Verantwortung übernehmen sondern nur für uns! Für das was wir tun oder nicht. Das bedeutet nicht, dass die Umstände unserer Verantwortung obliegen. Oder das wir plötzlich noch mehr Probleme und Lasten anderer tragen müssten. Wir selbst sind für uns verantwortlich.

Es ist unsere Aufgabe auf uns zu achten. Auf unsere Bedürfnisse, Wünsche, Ziele, Träume und auch Sorgen. Es ist nicht unsere Aufgabe die Sorgen unseres Partners zu tragen. Denn das sind seine Sorgen. Das mag vielleicht im ersten Moment egoistisch klingen oder herzlos doch überlegen wir einmal ernsthaft. Wenn unser Partner sich Sorgen macht und wir uns diese Sorgen auch teilen – können wir ihm/ihr damit helfen? Wem bringt es etwas, wenn wir uns mit zusätzlichen Dingen belasten, die wir nicht lösen können? Das verkompliziert die Situation nur!

Die volle Verantwortung für uns zu übernehmen, das bedeutet also uns um unser Wohlergehen zu kümmern und nicht die Lasten anderer mit zu tragen. Wir dürfen natürlich helfen, wenn wir gefragt werden. Wir können unsere Hilfe anbieten wenn wir das wollen. Doch wir sollten lernen uns nicht mit Dingen zu belasten die wir nicht ändern können.

Tun oder nicht tun

Ein weiterer Punkt ist, dass wir auch die Verantwortung übernehmen für Dinge die wir nicht tun. Klingt im ersten Moment leicht, doch auch das hat ungeahnte Folgen. Wenn ich mich dazu entscheide meinem Kind etwas zu verweigern (das zweite Eis zum Beispiel), dann ist das meine Entscheidung und mit der Reaktion umzugehen (vermutlich Wut und/oder Trauer) liegt in meiner Verantwortung. Ich kann nicht hingehen und sagen „Nein, du kriegst kein Eis“ und anschließend sagen „ich kann nicht mit deiner Reaktion umgehen.“ Ein anderes Beispiel wäre – ich entscheide mich morgens gegen die öffentlichen Verkehrsmitteln und stehe dann im Stau. Einerseits entscheide ich mich gegen die Möglichkeit ohne Stau zur Arbeit zu kommen, andererseits beschuldige ich die anderen Autofahrer, weil ich jetzt im Stau stehe.

Ihr seht bestimmt worauf ich hinaus möchte. Ja, wir müssen lernen die volle Verantwortung zu übernehmen. Sowohl für unser Tun als auch unser Nicht-Tun. Doch das bedeutet auch genauer hin zu sehen. Was genau liegt in meiner Verantwortung? Befinde ich mich wirklich bei dem was ich entscheiden und tun kann? Kann ich mit dem Endergebnis meiner Entscheidung umgehen? Ich denke das ist es, was uns wirklich dabei hilft mehr Verantwortung zu übernehmen. Nicht uns noch mehr Dinge aufzuladen, die nicht unser Problem sind, sondern mehr darauf zu achten was uns selbst betrifft und was nicht.

Die Umstände

Ein weiterer oft unbedachter Punkt sind die Lebensumstände. Wenn wir mit unserem Leben unzufrieden sind, dann sind wir dafür verantwortlich es zu ändern. Der Job ist doof? Dann änder etwas! Viele sagen dann „Ja, aber das geht nicht so leicht!“ Das stimmt aber so nicht. Es liegt in unserer Verantwortung ob wir uns gut fühlen oder nicht. Wenn der Job doof ist habe ich zwei Optionen – ich gehe oder ich bleibe. Beides ist jedoch meine Entscheidung! Es obliegt ganz alleine mir ob ich mich weiter quäle oder ob ich mir etwas Neues suche. Wenn ich jedoch bleibe, dann ist es meine Entscheidung gewesen und meine Laune ist meine „Schuld“. Nicht die des Chefs der immer so fies ist, nicht die der Kollegen die nicht so viel erledigen wie ich oder von sonst jemandem. Denn ich habe mich für diesen Job entschieden und gegen die Alternative.

Es ist nicht immer einfach oder leicht wirklich die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, doch es erleichtert vieles. Sobald wir erkannt haben, dass es an uns liegt und nur wir etwas ändern können haben wir auch automatisch die Macht zurück geholt die wir vorher abgegeben haben. Wenn wir nämlich immer wieder sagen „der Chef ist so gemein, deswegen geht es mir schlecht“ geben wir unsere Macht diese Situation zu ändern an ihn ab. Denn wenn nur der Chef anders wäre, dann wäre alles toll. Wenn doch nur die Arbeitszeit anders wäre, dann hätten wir mehr Zeit für uns. Wenn unser Partner nicht so unordentlich wäre, dann würden wir uns wohler fühlen. Nein, wir selbst sind für unser Wohlbefinden verantwortlich und niemand anders!

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag ein wenig dazu beitragen, dass die Phrase „die volle Verantwortung für etwas übernehmen“ noch einmal anders beleuchtet wird und etwas klarer wird. Denn für mich war diese Phrase bis vor wenigen Tagen noch zu schwammig.

Fällt es euch schwer Kritik zu akzeptieren und gelassen zu bleiben? Dann schaut doch mal hier vorbei.

Über Gewalt und die Unantastbarkeit der Kinder-Würde

Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion über die Unantastbarkeit der Kinder-Würde, Gewalt und die Folgen, wenn man sich über ein „Nein“ hinwegsetzt. Dieses Thema ist so unglaublich wichtig und wird so selten komplett beleuchtet. Heute will ich versuchen meine Gedanken zu dem Thema zusammenzufassen und nieder zu schreiben.

Unsere Kinder haben das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit!

Was bedeutet das? Natürlich bedeutet das, dass wir unseren Kindern keine Gewalt antun dürfen. Eigentlich ist das logisch. Doch was ist Gewalt? Wo beginnt sie und wo endet sie? Viele definieren Gewalt über Schläge. Ich sehe das Ganze ein wenig anders. Für mich ist Gewalt etwas das gegen den Willen einer Person geschieht. Wenn mein Kind sich mit Händen und Füßen wehrt, weil es nicht hoch genommen werden will und ich es trotzdem tue, dann ist das in meinen Augen Gewalt. Wenn mein Kind sich weigert die Zähne zu putzen und ich ihn festhalte um ihm diese zu putzen, dann ist das Gewalt. Auch wenn mein Kind sich gegen das Windel wechseln wehrt und ich es trotzdem tue ist das Gewalt. Denn Gewalt beginnt nicht dort wo es knallt oder blaue Flecken gibt. Sie beginnt da wo wir bewusst die Grenze einer anderen Person überschreiten, unsere Stärke und Größe nutzen und etwas gegen den Willen der anderen Person machen. Dabei ist es irrelevant ob das körperlich oder psychisch geschieht!

Ja, aber ….

Immer wieder lese und höre ich Einwände. „Ja, aber ich kann mein Kind doch nicht tagelang dieselbe Windel tragen lassen“ oder „Mein Kind muss doch Zähne putzen!“ Ja, da stimme ich vollkommen zu. Doch es gibt andere Wege. Wege die nicht damit enden, dass wir Gewalt ausüben. Wenn uns gerade einfällt, dass das Kind eine frische Windel braucht und es gerade tief im Spiel versunken ist, können wir auch einfach anmerken „Ich möchte gerne deine Windel wechseln.“ Will das Kind gerade nicht, dann frage ich eben nach kurzer Zeit erneut. Ein „Nein“ ist selten ein „nie wieder“ sondern oft einfach ein „nicht jetzt“. Wir Erwachsenen können und wollen auch nicht immer sofort. Wieso gestehen wir unseren Kindern dieses Recht nicht zu?

Ein weiterer Einwand ist oft „Na manchmal muss es eben doch gleich sein. Immerhin habe ich Termine.“ Auch das ist meiner Meinung nach kein Grund um Gewalt anzuwenden. Wir sind für unsere Zeit verantwortlich. Wenn ich weiß, dass mein Kind gerade oft das Windel wechseln verweigert, dann gebe ich uns eben bereits im Vorhinein mehr Zeit. Das entspannt die Situation und weniger Druck bedeutet auch weniger Gegendruck. Wenn ich kooperativ bin und mich auf mein Kind einlasse, wird auch er sich kooperativ zeigen.

Mögliche Folgen von Gewalt

Was sehr viele Menschen nicht bedenken ist die Zukunft. Wenn wir uns regelmäßig über das „Nein“ unseres Kindes hinwegsetzen, was lernt es daraus? Es lernt, dass es nicht über seinen Körper bestimmen darf. Dass jemand der stärker ist, das Recht hat mit ihm zu machen was er will. Ist es wirklich das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen? Dass ihr Körper nicht ihnen gehört? Dass andere mit ihnen machen können was sie wollen?

Weil die Würde unserer Kinder unantastbar ist!

An diesem Thema hängt so unglaublich viel mehr als nur „ich muss doch aber die Windel wechseln“! Wir als Erwachsene haben die Verantwortung für unsere Kinder. Es liegt in unserer Verantwortung ob wir unseren Kindern das Gefühl geben „Nein“ sagen zu dürfen oder nicht. Diese Verantwortung beginnt ab dem ersten Tag. Ich bin dafür, dass wir als Eltern darüber nachdenken ob das was wir tun wirklich mit dem übereinstimmt was wir unserem Kind vermitteln wollen. Hilft dieser Gedanke nicht, dann vielleicht dieser – wie hättest du dich gefühlt? Bzw. wie würdest du dich fühlen, wenn heute ein anderer Erwachsener so mit dir umgehen würde?

Wir sollten aufhören daran zu denken was wir angeblich müssen und anfangen endlich Lösungen zu suchen. Dann läuft unser Kind eben 20 Minuten länger in der Windel herum. Sind 20 Minuten es wirklich wert die Würde unserer Kinder zu verletzen? Ich denke nicht. Lasst uns gemeinsam neue Wege finden. Damit unsere Kinder immer wissen – sie dürfen „Nein“ sagen. Zu allem und jedem und zwar immer. Es ist egal warum sie es tun, denn ab dem ersten Tag ist die Würde unserer Kinder unantastbar!

Mehr zu dem Thema findet ihr übrigens bei Ruth. Sehr passend zum Thema ist dieser Artikel. Ein absoluter Augen-Öffner war dieser Artikel hier. Und für die Zweifler gibt es hier einen Artikel der wissenschaftlich fundierte Gründe gegen Erziehung liefert. Es lohnt sich wirklich über dieses Thema nachzudenken und ich würde mich sehr freuen, wenn ich euch ein wenig wachrütteln konnte. Ich werde demnächst noch einige Beiträge zu diesem bzw. ähnlichen Themen bringen, denn das ist mein absolutes Herzensthema <3

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