Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Verantwortung und man liest und hört als Tipp sehr oft „du musst die volle Verantwortung für das übernehmen was du tust.“ Doch was heißt das eigentlich?

Selfcare

Die volle Verantwortung klingt als ob die Last sehr schwer wiegen würde und man mehr Verantwortung übernehmen müsste als vorher. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Warum? Das ist ganz einfach. Wir sollen nicht für alles die Verantwortung übernehmen sondern nur für uns! Für das was wir tun oder nicht. Das bedeutet nicht, dass die Umstände unserer Verantwortung obliegen. Oder das wir plötzlich noch mehr Probleme und Lasten anderer tragen müssten. Wir selbst sind für uns verantwortlich.

Es ist unsere Aufgabe auf uns zu achten. Auf unsere Bedürfnisse, Wünsche, Ziele, Träume und auch Sorgen. Es ist nicht unsere Aufgabe die Sorgen unseres Partners zu tragen. Denn das sind seine Sorgen. Das mag vielleicht im ersten Moment egoistisch klingen oder herzlos doch überlegen wir einmal ernsthaft. Wenn unser Partner sich Sorgen macht und wir uns diese Sorgen auch teilen – können wir ihm/ihr damit helfen? Wem bringt es etwas, wenn wir uns mit zusätzlichen Dingen belasten, die wir nicht lösen können? Das verkompliziert die Situation nur!

Die volle Verantwortung für uns zu übernehmen, das bedeutet also uns um unser Wohlergehen zu kümmern und nicht die Lasten anderer mit zu tragen. Wir dürfen natürlich helfen, wenn wir gefragt werden. Wir können unsere Hilfe anbieten wenn wir das wollen. Doch wir sollten lernen uns nicht mit Dingen zu belasten die wir nicht ändern können.

Tun oder nicht tun

Ein weiterer Punkt ist, dass wir auch die Verantwortung übernehmen für Dinge die wir nicht tun. Klingt im ersten Moment leicht, doch auch das hat ungeahnte Folgen. Wenn ich mich dazu entscheide meinem Kind etwas zu verweigern (das zweite Eis zum Beispiel), dann ist das meine Entscheidung und mit der Reaktion umzugehen (vermutlich Wut und/oder Trauer) liegt in meiner Verantwortung. Ich kann nicht hingehen und sagen „Nein, du kriegst kein Eis“ und anschließend sagen „ich kann nicht mit deiner Reaktion umgehen.“ Ein anderes Beispiel wäre – ich entscheide mich morgens gegen die öffentlichen Verkehrsmitteln und stehe dann im Stau. Einerseits entscheide ich mich gegen die Möglichkeit ohne Stau zur Arbeit zu kommen, andererseits beschuldige ich die anderen Autofahrer, weil ich jetzt im Stau stehe.

Ihr seht bestimmt worauf ich hinaus möchte. Ja, wir müssen lernen die volle Verantwortung zu übernehmen. Sowohl für unser Tun als auch unser Nicht-Tun. Doch das bedeutet auch genauer hin zu sehen. Was genau liegt in meiner Verantwortung? Befinde ich mich wirklich bei dem was ich entscheiden und tun kann? Kann ich mit dem Endergebnis meiner Entscheidung umgehen? Ich denke das ist es, was uns wirklich dabei hilft mehr Verantwortung zu übernehmen. Nicht uns noch mehr Dinge aufzuladen, die nicht unser Problem sind, sondern mehr darauf zu achten was uns selbst betrifft und was nicht.

Die Umstände

Ein weiterer oft unbedachter Punkt sind die Lebensumstände. Wenn wir mit unserem Leben unzufrieden sind, dann sind wir dafür verantwortlich es zu ändern. Der Job ist doof? Dann änder etwas! Viele sagen dann „Ja, aber das geht nicht so leicht!“ Das stimmt aber so nicht. Es liegt in unserer Verantwortung ob wir uns gut fühlen oder nicht. Wenn der Job doof ist habe ich zwei Optionen – ich gehe oder ich bleibe. Beides ist jedoch meine Entscheidung! Es obliegt ganz alleine mir ob ich mich weiter quäle oder ob ich mir etwas Neues suche. Wenn ich jedoch bleibe, dann ist es meine Entscheidung gewesen und meine Laune ist meine „Schuld“. Nicht die des Chefs der immer so fies ist, nicht die der Kollegen die nicht so viel erledigen wie ich oder von sonst jemandem. Denn ich habe mich für diesen Job entschieden und gegen die Alternative.

Es ist nicht immer einfach oder leicht wirklich die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, doch es erleichtert vieles. Sobald wir erkannt haben, dass es an uns liegt und nur wir etwas ändern können haben wir auch automatisch die Macht zurück geholt die wir vorher abgegeben haben. Wenn wir nämlich immer wieder sagen „der Chef ist so gemein, deswegen geht es mir schlecht“ geben wir unsere Macht diese Situation zu ändern an ihn ab. Denn wenn nur der Chef anders wäre, dann wäre alles toll. Wenn doch nur die Arbeitszeit anders wäre, dann hätten wir mehr Zeit für uns. Wenn unser Partner nicht so unordentlich wäre, dann würden wir uns wohler fühlen. Nein, wir selbst sind für unser Wohlbefinden verantwortlich und niemand anders!

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag ein wenig dazu beitragen, dass die Phrase „die volle Verantwortung für etwas übernehmen“ noch einmal anders beleuchtet wird und etwas klarer wird. Denn für mich war diese Phrase bis vor wenigen Tagen noch zu schwammig.

Fällt es euch schwer Kritik zu akzeptieren und gelassen zu bleiben? Dann schaut doch mal hier vorbei.