Familie Freya

Elternschaft, Beziehung, Persönlichkeitsentwicklung

Kategorie: Allgemein

Über Gewalt und die Unantastbarkeit der Kinder-Würde

Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion über die Unantastbarkeit der Kinder-Würde, Gewalt und die Folgen, wenn man sich über ein „Nein“ hinwegsetzt. Dieses Thema ist so unglaublich wichtig und wird so selten komplett beleuchtet. Heute will ich versuchen meine Gedanken zu dem Thema zusammenzufassen und nieder zu schreiben.

Unsere Kinder haben das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit!

Was bedeutet das? Natürlich bedeutet das, dass wir unseren Kindern keine Gewalt antun dürfen. Eigentlich ist das logisch. Doch was ist Gewalt? Wo beginnt sie und wo endet sie? Viele definieren Gewalt über Schläge. Ich sehe das Ganze ein wenig anders. Für mich ist Gewalt etwas das gegen den Willen einer Person geschieht. Wenn mein Kind sich mit Händen und Füßen wehrt, weil es nicht hoch genommen werden will und ich es trotzdem tue, dann ist das in meinen Augen Gewalt. Wenn mein Kind sich weigert die Zähne zu putzen und ich ihn festhalte um ihm diese zu putzen, dann ist das Gewalt. Auch wenn mein Kind sich gegen das Windel wechseln wehrt und ich es trotzdem tue ist das Gewalt. Denn Gewalt beginnt nicht dort wo es knallt oder blaue Flecken gibt. Sie beginnt da wo wir bewusst die Grenze einer anderen Person überschreiten, unsere Stärke und Größe nutzen und etwas gegen den Willen der anderen Person machen. Dabei ist es irrelevant ob das körperlich oder psychisch geschieht!

Ja, aber ….

Immer wieder lese und höre ich Einwände. „Ja, aber ich kann mein Kind doch nicht tagelang dieselbe Windel tragen lassen“ oder „Mein Kind muss doch Zähne putzen!“ Ja, da stimme ich vollkommen zu. Doch es gibt andere Wege. Wege die nicht damit enden, dass wir Gewalt ausüben. Wenn uns gerade einfällt, dass das Kind eine frische Windel braucht und es gerade tief im Spiel versunken ist, können wir auch einfach anmerken „Ich möchte gerne deine Windel wechseln.“ Will das Kind gerade nicht, dann frage ich eben nach kurzer Zeit erneut. Ein „Nein“ ist selten ein „nie wieder“ sondern oft einfach ein „nicht jetzt“. Wir Erwachsenen können und wollen auch nicht immer sofort. Wieso gestehen wir unseren Kindern dieses Recht nicht zu?

Ein weiterer Einwand ist oft „Na manchmal muss es eben doch gleich sein. Immerhin habe ich Termine.“ Auch das ist meiner Meinung nach kein Grund um Gewalt anzuwenden. Wir sind für unsere Zeit verantwortlich. Wenn ich weiß, dass mein Kind gerade oft das Windel wechseln verweigert, dann gebe ich uns eben bereits im Vorhinein mehr Zeit. Das entspannt die Situation und weniger Druck bedeutet auch weniger Gegendruck. Wenn ich kooperativ bin und mich auf mein Kind einlasse, wird auch er sich kooperativ zeigen.

Mögliche Folgen von Gewalt

Was sehr viele Menschen nicht bedenken ist die Zukunft. Wenn wir uns regelmäßig über das „Nein“ unseres Kindes hinwegsetzen, was lernt es daraus? Es lernt, dass es nicht über seinen Körper bestimmen darf. Dass jemand der stärker ist, das Recht hat mit ihm zu machen was er will. Ist es wirklich das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen? Dass ihr Körper nicht ihnen gehört? Dass andere mit ihnen machen können was sie wollen?

Weil die Würde unserer Kinder unantastbar ist!

An diesem Thema hängt so unglaublich viel mehr als nur „ich muss doch aber die Windel wechseln“! Wir als Erwachsene haben die Verantwortung für unsere Kinder. Es liegt in unserer Verantwortung ob wir unseren Kindern das Gefühl geben „Nein“ sagen zu dürfen oder nicht. Diese Verantwortung beginnt ab dem ersten Tag. Ich bin dafür, dass wir als Eltern darüber nachdenken ob das was wir tun wirklich mit dem übereinstimmt was wir unserem Kind vermitteln wollen. Hilft dieser Gedanke nicht, dann vielleicht dieser – wie hättest du dich gefühlt? Bzw. wie würdest du dich fühlen, wenn heute ein anderer Erwachsener so mit dir umgehen würde?

Wir sollten aufhören daran zu denken was wir angeblich müssen und anfangen endlich Lösungen zu suchen. Dann läuft unser Kind eben 20 Minuten länger in der Windel herum. Sind 20 Minuten es wirklich wert die Würde unserer Kinder zu verletzen? Ich denke nicht. Lasst uns gemeinsam neue Wege finden. Damit unsere Kinder immer wissen – sie dürfen „Nein“ sagen. Zu allem und jedem und zwar immer. Es ist egal warum sie es tun, denn ab dem ersten Tag ist die Würde unserer Kinder unantastbar!

Mehr zu dem Thema findet ihr übrigens bei Ruth. Sehr passend zum Thema ist dieser Artikel. Ein absoluter Augen-Öffner war dieser Artikel hier. Und für die Zweifler gibt es hier einen Artikel der wissenschaftlich fundierte Gründe gegen Erziehung liefert. Es lohnt sich wirklich über dieses Thema nachzudenken und ich würde mich sehr freuen, wenn ich euch ein wenig wachrütteln konnte. Ich werde demnächst noch einige Beiträge zu diesem bzw. ähnlichen Themen bringen, denn das ist mein absolutes Herzensthema <3

8 Tipps um gelassener mit Kritik und Fragen umzugehen

Sobald man ein Kind hat geht eine neue Tür auf. Diese Türe führt nicht nur zu deinem neuen Alltag, all den wunderschönen und manchmal auch anstrengenden Momenten mit deinem Kind sondern leider auch zu Menschen, die sich ungefragt in dein bzw. euer Leben einmischen. Plötzlich befindest du dich in einer Position wo du dich für deine Entscheidungen rechtfertigen sollst und auch wenn Person A deine Erziehung ganz toll findet, du kannst sicher sein, dass mindestens Person Z sie total furchtbar findet. Was kannst du also tun um diesem Ansturm an Meinungen gelassener entgegen zu treten?

Warum ist mir dieses Thema so wichtig? Weil ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man urplötzlich vor dem Gefühl steht sich rechtfertigen zu müssen. Vor allem die Frage „Was? Dein Kind kann XY noch nicht?“ lag mir immer sehr schwer im Magen. Darum habe ich mir ein paar Verhaltensweisen zusammen gesucht, welche ich heute mit euch teilen will.

Gelassenheit ist eine Grundeinstellung die eine ruhige Haltung hervorbringt. Das bedeutet aber auch, dass man Gelassenheit nicht lernen kann, sondern als Einstellung übernehmen muss.

Freya

Was ist Gelassenheit?

Doch beginnen wir mit den Basics. Was ist Gelassenheit eigentlich? Viele Menschen haben eine ungefähre Vorstellung davon, aber so eine richtige Definition haben sie nicht parat.

1) maßvolle Haltung, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht

2) unbeteiligte Haltung, gedankliche Ferne

Definition Gelassenheit

Ganz schön schwammig nicht wahr? Es gibt aber ein Wort, dass direkt ins Auge springt: Haltung. Ich definiere das Ganze ein wenig eingängiger: Gelassenheit ist eine Grundeinstellung die eine ruhige Haltung hervorbringt. Das bedeutet aber auch, dass man Gelassenheit nicht lernen kann, sondern als Einstellung übernehmen muss. Du kannst nicht vorgeben gelassen zu sein und es dauert eine Zeit, bis du wirklich gelassener wirst. Doch die Tipps sollten dir dabei helfen diese innere Haltung Stück für Stück zu übernehmen. Du musst dich im ersten Schritt nur dazu entscheiden gelassener zu reagieren. Dann übernimmst du nach und nach die Verhaltensweisen und nach einiger Zeit – je nach Temperament – bist du gelassener. Glaubt mir, wenn ihr normalerweise schnell in die Luft geht, dann kann das durchaus ein Weilchen dauern – doch es lohnt sich. Aber nun kommen die Tipps:

1. Atmen

Ja, das klingt irgendwie logisch und ein wenig zu einfach, aber es wirkt. Atme einmal gaaanz tief ein, halte für 1 Sekunde die Luft an und atme dann gaaaaaaaanz lange und tief aus. Das beruhigt ein wenig und gerade wenn du das Bedürfnis hast gleich in die Luft zu gehen, weil irgendjemand deine Entscheidungen und deine Methoden in Frage stellt und du es nicht mehr hören kannst – atme. Die Person dir gegenüber will dich im Normalfall nicht verletzen und wenn du explodierst, tut es dir vielleicht im Nachhinein leid. Wenn du nach ein Mal atmen noch nicht gelassener bist – einfach wiederholen, bis der erste Impuls weg ist. Danach kannst du überlegen, wie du reagieren willst.

2. Bedank dich

Okay, ich sage es gleich vorneweg – dieser Vorschlag ist manchmal nicht so leicht umzusetzen. Wenn dein Gegenüber dir eine Stunde lang erklärt, dass du total unverantwortlich bist, dann kann dir ein „Danke für deine Sorge.“ vielleicht nicht so einfach von den Lippen kommen. Das verstehe ich vollkommen. Doch ich gebe dir ein Beispiel – in meinem Umkreis gibt es eine Person, die sich furchtbare Sorgen um die sprachliche Entwicklung meines Kindes gemacht hat. Er hat mit fast 2 Jahren vor Personen, die er nicht regelmäßig sieht einfach nicht gerne gesprochen und sein Wortschatz war auch nicht durch irgendwelches Training übermäßig groß. Wir haben benannt was wir so im Alltag gebrauchen und sehen oder wenn unser Kleiner etwas wissen wollte. Mich hat diese Panik anfangs wirklich genervt. Dann fiel mir auf – die Person sorgt sich einfach. Also habe ich mein Ego beruhigt, versucht gelassener zu werden und habe mich bedankt. „Danke für deine Sorge. Unser Kleiner kann reden, er ist auch nicht faul, er will nur einfach hier nicht reden.“ Thema erledigt! Ganz viele Menschen wollen einfach nur hören, dass du ihren Standpunkt auch bedenkst bzw. hörst. Wodurch wir zu unserem nächsten Punkt kommen:

3. Überlege warum andere so handeln

Das ist einer der Punkte, der mir unglaublich geholfen hat. Ich habe mir immer überlegt – aus welchem Grund beharrt die Person jetzt auf diesem Thema? Ist es Sorge, Wut oder sogar Eifersucht? Ja, andere Menschen können auch bei Themen die Erziehung betreffen eifersüchtig sein. Vielleicht konnte diese Person damals nicht so erziehen wie du es jetzt tust und hätte das eigentlich viel lieber gemacht! Das Thema Alltagsplanung ist zum Beispiel so ein Fall. Viele Menschen reagieren sehr kritisch darauf, dass ich meinen Alltag nach meinem Kind richte. Oftmals kommt dann der Satz „Ja, na ich konnte das ja damals nicht.“ Genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Kritik wird nicht immer zu Dingen geäußert die wir schlecht finden, sondern auch oft zu Themen, die uns emotional berühren und die wir auch gerne gehabt hätten.

4. Setze Grenzen

Kommen wir zu schwereren Fällen, ich gebe wieder ein Beispiel. Du triffst dich mit jemandem und die andere Person kritisiert dich für alles was du tust. Dein Verhalten ist falsch, du bist nicht streng genug, du bist zu streng, du tröstest zu viel, du bemutterst, du stillst zu viel, du stillst zu wenig, du stillst gar nicht, du machst dieses oder jenes falsch – du weißt worauf ich hinaus will. Hier hilft es natürlich auch, sich zu überlegen warum die andere Person das tut, aber das reicht nicht aus. In solchen Fällen musst (!) du Grenzen setzen. Das geht auch liebevoll, aber du muss wirklich konsequent bleiben. „Du, ich verstehe, dass du vieles anders siehst. Ich danke dir für deine Ratschläge, aber ich fühle mich wohler wenn ich meinen Weg gehe. Belassen wir es dabei.“ Ganz einfach im Normalfall. Es kann sein, dass die andere Person noch weiter diskutieren will, dann musst du die Grenze nochmal deutlicher ziehen. „Wenn du nicht damit aufhörst, dann muss ich das Treffen beenden.“ Das sind übrigens nur Vorschläge – du kannst die Sätze bauen wie du willst. Wichtig ist nur – sei höflich, freundlich und bestimmt. Wenn du sofort in die Luft gehst und der anderen Person ins Gesicht schleuderst wo sie sich ihre Ratschläge hinstecken kann, dann ist das nicht unbedingt die eleganteste Lösung.

5. Akzeptieren

Erneut ein einfacher Vorschlag, der manchmal etwas schwer umzusetzen ist. Manchmal müssen wir einfach akzeptieren, dass andere Menschen andere Werte haben. Da kann man noch so oft erklären, zeigen, Statistiken zitieren – es hilft alles nichts. Dann muss man das einfach akzeptieren und auch hier vielleicht eine Grenze setzen. Wenn dir die Ratschläge zu viel werden, kannst du auch liebevoll sagen „Du, ich finde es toll, dass du mir helfen willst, aber deine Ratschläge passen leider nicht zu den Werten die ich leben will.“ Erneut heißt es – liebevoll, freundlich, höflich und bestimmt. Drucks nicht herum, red es nicht schön, dulde nichts was dir nicht gut tut. Du bist dafür verantwortlich, dass es dir gut geht.

6. Lächeln

Ich höre förmlich, wie einige denken „Hä?“ Wenn wir lächeln – und ich rede von einem echten Lächeln – dann hat das nachweislich einen positiven Effekt auf unsere Laune. Wenn du merkst, dass deine Laune in den Keller sinkt, dann lächle einfach mal. Denk an was Schönes, schau dein Kind an, denk an einen Witz oder mach sonst etwas, dass dich zum lächeln bringt. Das nimmt deiner Reaktion den Schwung, du kannst das Ganze vielleicht aus einer neuen Position betrachten, bist gelassener und besser gelaunt und außerdem – lächeln schadet nicht. Vielleicht lächelt dein Gegenüber ja zurück 😉

7. Du bist nicht dein Verhalten/Nimm es nicht persönlich

Klingt irgendwie logisch und trotzdem definieren sich so viele Menschen über ihr Verhalten. Ja, unser Verhalten entsteht aus unseren Werten, aber wir sind so viel mehr! Wenn dein Gegenüber also darüber redet, dass Langzeitstillen nicht gut ist, dann kritisiert er nicht dich, sondern dein Verhalten. Weil es so wichtig ist, sage ich es noch einmal – Du bist nicht dein Verhalten. Wenn du dir das wirklich bewusst machst, dann fühlst du dich nicht mehr so schnell angegriffen. Denn die andere Person kritisiert dich ja gar nicht! Du wirst vielleicht sagen – ja klar ist logisch, aber nimm dir Zeit und denke über diesen Punkt nach. Wenn dieser Satz nämlich aus deinem Verstand ins Herz gesickert ist, bist du so viel gelassener als vorher. Zu diesem Punkt habe ich sogar noch zwei Sätze für dich. Realität ist subjektiv. Jeder Mensch nimmt seine Realität durch den Filter seiner eigenen Erfahrungen/Prägungen/Muster wahr. Was für dich stimmt, kann für jemand anderen komplett falsch sein. Diese Erkenntnis führt direkt zu einer weiteren – Ist die andere Person wütend/traurig, hat das nichts mit dir zu tun. Gefühle kommen immer nur aus der eigenen Geschichte und aus dem eigenen Herzen. Eine andere Person kann zwar der Auslöser sein, aber die Gefühle sind immer die eigenen.

8. Reframing

Bedienen wir uns der Psychologie – Reframing ist eine beliebte Technik von Therapeuten. Mit dieser Technik verschiebst du automatisch den Fokus. Die Aufgabe bzw. Frage lautet „Was kann ich aus dieser Situation lernen?“ Du nimmst die Aufmerksamkeit durch diese Frage weg von dem Negativen und konzentrierst dich auf das Positive. Man kann aus fast jeder Situation etwas lernen und wenn es „nur“ ist, früher eine Grenze zu setzen oder dich mit bestimmten Menschen nicht einzulassen. Auch das sind Lektionen, welche wir lernen müssen.

So, das waren jetzt sehr viele Informationen die ich dir recht kompakt zusammengefasst habe. Einiges davon wirst du vielleicht erst einmal sacken lassen müssen und ich empfehle dir vor allem Punkt 7 vielleicht noch ein paar Mal zu unterschiedlichen Zeiten zu lesen. Ich habe selbst sehr lange damit gekämpft, wenn andere mich kritisiert oder mit unangenehmen Fragen bombardiert haben. Vor allem die Frage „Was? Dein Kind kann XY noch nicht?“ hat mich total fertig gemacht. Ich dachte dann immer, dass ich vielleicht etwas falsch gemacht habe. Dabei wusste ich eigentlich, dass jedes Kind sich auf seine eigene Art entwickelt. Erst als ich mir diese 8 Tipps zusammengeschrieben und diese vor allem auch angewendet habe, bin ich gelassener geworden. Vielleicht ist ja der eine oder andere Tipp dabei, den ihr noch nicht kennt oder den ihr noch nicht umsetzt.

Habt ihr noch weitere Tipps um gelassener zu werden oder zu bleiben? Wie geht ihr mit Situationen um, in denen ihr denkt euch rechtfertigen zu müssen?

Wenn das Kind keine Windel mehr will – Trocken werden

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Unser Wirbelwind ist ja ein sehr willensstarkes Kerlchen und ganz ehrlich – das finde ich großartig! Ich liebe es einfach, seinen starken Willen zu sehen und ihn dabei zu beobachten, wie er immer und immer wieder Neues ausprobiert, bis er es schließlich schafft und dann mit stolzem Blick zu mir schaut. Er weiß was er will, kommuniziert es und handelt dann auch danach. Das ist eine Eigenschaft die so vielen Erwachsenen fehlt! Ich hoffe wirklich, dass er seinen Willen behält. Aber das war ja eigentlich nicht das Thema, es war nur der Grund dafür. Unser Kleiner hat beschlossen – Windeln sind doof, wickeln ist doof und er will jetzt ab sofort keine Windel mehr. Nun standen wir also vor dem großen Thema – Trocken werden. Bisher hatte ich mich elegant darum herum bewegen können, aber es war ja klar, dass das nicht ewig so weiter gehen kann.

Wie alles begann

Mein Kind hat ein Recht darauf, alleine über seinen Körper zu bestimmen und wenn er „Nein“ sagt, dann hat das jeder zu akzeptieren – auch ich als Mama.

Freya

Angefangen hat das Ganze im Jänner. Aus dem schnellen und recht entspannten Wickeln wurde mal wieder ein Kampf. Ich war ein wenig irritiert, aber dachte es wäre vielleicht nur eine kurze Phase. Ich habe also wieder viel erklärt, abgelenkt und meine Wickelzeit erneut unterboten. Gäbe es einen Schnellwickel-Wettbewerb – ich hätte wirklich gute Chancen. Gebracht hat das Ganze aber nichts. Das Wickeln war weiterhin mehr Kampf als alles andere und ich überlegte hin und her, was ich nun machen soll. Gegen seinen Willen wickeln kommt für mich nicht in Frage. Mein Kind hat ein Recht darauf, alleine über seinen Körper zu bestimmen und wenn er „Nein“ sagt, dann hat das jeder zu akzeptieren – auch ich als Mama. Nun stand ich also vor einem kleinen Problem.

Ich vertrete die Einstellung – mein Kind weiß was es braucht und ich nehme ihn, seine Bedürfnisse und Wünsche ernst.

Freya

Die Stimme in meinem Kopf, die für althergebrachte Erziehung ist, sagte „er muss da jetzt durch und Ende“. Die zweite Stimme in meinem Kopf, die die Würde von meinem Kind unangetastet lassen will, sagte „so geht’s nicht mehr weiter, red mal mit deinem Kind“. Ich habe auf Stimme Nummer 2 gehört und einfach mal nachgehakt. Schmerzen hatte er keine, Ausschlag war auch nicht vorhanden. Auf die Frage „Magst du keine Windeln mehr?“ sagte er dann plötzlich „Ja.“ Man kann ja jetzt stundenlang darüber diskutieren ob ein Kind mit 20 Monaten so eine Entscheidung schon treffen kann oder nicht – ich finde schon. Ich vertrete die Einstellung – mein Kind weiß was es braucht und ich nehme ihn, seine Bedürfnisse und Wünsche ernst.

Startschwierigkeiten

So, ich saß da erstmal und schaute doof. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir hatten ein Töpfchen gekauft und das war anscheinend nicht gut genug, denn es wurde weitestgehend ignoriert. Klar, man hat sich mal drauf setzen lassen, aber von selbst auf dem Töpfchen sitzen bleiben und Pipi machen? Ne, das ist ja langweilig. Also musste eine andere Lösung her. Ab zu Google und mal nachsehen, was für Alternativen es gibt. Ich habe mich erinnert, dass meine kleine Schwester so eine bunte Leiter mit Aufsatz* hatte. Kurze Zeit später hatte ich gefunden was ich gesucht habe. Eine Woche später konnte ich den Aufsatz mit Leiter abholen und zu Hause angekommen wurde das Ding direkt ausprobiert.

Anfangs gab es ein paar „Schwierigkeiten“. Da wurde auf den Boden gepinkelt, das Sitzen bleiben war doof und das Klopapier wurde lieber zerfetzt als es zum abwischen zu benutzen. Wir haben diesen Sitz nun seit dem 13.02.. Immer wenn wir daran denken, fragen wir ob unser Kleiner aufs Klo muss und setzen ihn aufs WC. Nach 5 Tagen konnte er gezielt Pipi machen. Er forciert das richtig und man sieht ihm an wie stolz er ist, dass er nun Kontrolle über seine Blase hat. Auch das Abwischen kann er mittlerweile halbwegs – aber natürlich helfen wir ihm, damit sich nichts entzünden kann. Noch in der selben Woche wurde auch das große Geschäft schon auf dem WC erledigt. Mittlerweile gehen wir direkt nach dem Aufstehen gemeinsam aufs WC und bisher hat es immer super geklappt, dass er wartet bis er auf dem WC sitzt.

Ich muss sagen, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass wir jetzt „schon“ mit dem „Töpfchentraining“ beginnen werden. Nach einiger Recherche habe ich herausgefunden, dass die meisten erst ab 3 Jahren Kontrolle über ihre Blase haben. Es stört mich allerdings überhaupt nicht, denn dann ersparen wir uns das Windeln kaufen bzw waschen. Zum Üben haben wir übrigens Höschenwindeln gekauft. Die sind mega praktisch, weil man sie einfach hoch- bzw. runterziehen kann und durch die kürzere Ausziehzeit auch weniger daneben geht. Wir werden fleißig weiter aufs WC gehen und ich werde euch informieren, wenn die Windel ein für alle Mal verschwindet. Da wir jedoch keinen Stress haben, wird es sicher noch ein wenig dauern.

Druck von außen

Ich hoffe sehr, dass euch diese Geschichte ein wenig Sicherheit gibt. An vielen Ecken und Enden habe ich schon gehört, dass das Kind mit 2 trocken sein muss. Ich solle doch endlich (!) mit dem Töpfchentraining anfangen. Das Kind muss so lange sitzen bleiben, bis es Pipi gemacht hat und dann erst darf das Kind unter viel Loben aufstehen. Das Thema verfolgt uns seit unser Kleiner ca. 6 Monate alt ist. Je älter unser Kleiner wurde, desto vehementer wurde die Forderung nach dem klassischen Töpfchentraining. Begleitet von „er muss es ja lernen“ über „spätestens im Kindergarten muss er trocken sein“.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber der Gedanke an dieses Vorgehen bereitet mir Übelkeit. Ich soll mein Kind dazu zwingen sitzen zu bleiben, damit ich nicht mehr wickeln muss? Weil man das halt so macht? Nein danke! Klar, ich bin größer und stärker, aber muss ich mein Kind das wegen so etwas „unnötigem“ spüren lassen? Im Normalfall wird jedes Kind trocken, wenn der Zeitpunkt für diesen Schritt passt.

Ich wünsche mir, dass mein Kind weiß, dass sein Körper nur ihm alleine gehört und auch nur er allein darüber bestimmen darf.

Freya

Wenn euch solche Aussagen übrigens auch begegnen, dann sucht euch am Besten ein paar Studien heraus, die belegen können, dass Kinder erst, wenn sie körperlich so weit sind wirklich trocken werden können und das klassische Töpfchentraining nicht gut ist. Damit habe ich so viele Diskussionen abwenden können, weil Studien einfach einen ganz anderen Status haben als Mütter, die diese wieder geben. Wenn ihr ein paar weitere Informationen haben wollt, dann lege ich euch diesen Artikel vom Gewünschtesten Wunschkind ans Herz. Der Artikel ist wirklich Gold wert!

Ich wünsche mir, dass mein Kind weiß, dass sein Körper nur ihm alleine gehört und auch nur er allein darüber bestimmen darf. Wenn er nein sagt, dann muss ich das akzeptieren. Genauso wie er mein nein akzeptiert. Auch, bzw gerade (!) Kinder haben Rechte und wir sollten sie beschützen. Ich hoffe, dass euer „Töpfchentraining“ auch so entspannt beginnt und ihr ebenfalls den gewaltfreien Weg zum Trocken werden wählt.

Sind eure Kinder schon trocken? Wie habt ihr das gehandhabt?

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