Sagt mal, kennt ihr das Gefühl „nicht gesehen zu werden“? Ich hatte das so oft in meinem Leben. Ich wollte immer nur ich selbst sein, akzeptiert und angenommen werden – für das was ich bin und nicht das was ich sein soll. Wenn ich jedoch nicht ich selbst war, hatte ich immer das Gefühl einfach übersehen zu werden. Es war wie verhext. Ich habe es einfach nicht verstanden. „Ich bin doch so, wie man es von mir erwartet, wieso sieht man mich nicht?“ Doch genau da liegt der Fehler!

Unsere Maske

Wenn wir uns verstellen, die Maske anziehen, die die Gesellschaft uns gibt, dann kann man uns nicht sehen. Dieses Bedürfnis geht nämlich viel tiefer. Wir wollen alle erkannt werden – mit all unseren Facetten. Mit all unseren guten und schlechten Seiten. Es ist ein absolut legitimes Grundbedürfnis, dass unser wahres Ich akzeptiert wird. Doch wir verstecken uns. Hinter einer Maske oder Rolle, die wir ausüben (müssen) und wundern uns dann, dass wir uns nicht akzeptiert fühlen. Doch wie soll das gehen? Wie soll man jemanden akzeptieren, der sich versteckt?

Dieses Verstecken ist nicht nur ein gesellschaftliches Mittel. Wir haben Angst – Angst, verletzt zu werden genauso wie gesehen zu werden. Wenn wir jedoch Angst haben, dann sind wir nicht wir selbst. Dann kann man uns nicht sehen, weil wir uns nicht zeigen! Um uns wirklich anerkannt zu fühlen, müssen wir akzeptieren, dass uns nicht jeder mag. Wir müssen lernen damit umzugehen, wenn jemand uns doof findet – gerade dann, wenn wir wir selbst sind! Ja, wir alle dürfen verrückt, lieb, wütend, traurig, chaotisch, ordentlich, langweilig, lustig, interessant, humorlos, oder wie auch immer wir sind sein. Wir dürfen uns zeigen – nein, wir müssen uns zeigen damit man uns sehen kann.

Gedankenexperiment

Wie schön wäre die Welt, wenn wir alle endlich mal wir selbst wären. Wenn wir ohne Angst gesehen werden. Stellt euch mal vor wie wenig Auseinandersetzungen es dann gäbe, weil alle Probleme aus Angst wegfallen würden! Oh und wir müssten uns endlich nicht mehr verbiegen. Nein, denn das ist einfach nur schmerzhaft. Es tut weh, diese Maske zu tragen. Niemand sollte denken, dass er nicht um seinetwillen geliebt werden kann. Deswegen schreibe ich meinen Blog und genau deswegen zeige ich mich. Jeden Tag ein wenig mehr. Ich möchte mich öffnen und ich weiß, dass das vielen nicht gefallen wird. Einige werden mich doof finden und das ist okay.

Es ist nicht wichtig, dass mich alle mögen und toll finden. Für mich zählt, dass ich ICH sein kann. So wie ich wirklich bin, nicht so wie man mich gerne hätte. Ich möchte lächeln können ohne Angst, dass jemand das falsch versteht. Ich will freundlich sein, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und ich möchte manchmal einfach ein wenig traurig sein, weil etwas nicht so lief wie es sollte. Denn all das bin ich und all das ist richtig! Ich bin richtig – genau so wie ich bin. Wenn ihr nur einen Satz mitnehmt, dann bitte diesen: Ihr seid gut, genau so wie ihr seid!