Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich gehe regelmäßig meinen Haushalt durch und miste aus. Ich liebe das, denn ich habe danach nicht nur ein paar Dinge weniger und mehr Platz, sondern auch einen freien Kopf. Das Außen spiegelt unser Innen und umgekehrt. Wenn wir in unserem Leben umgeben sind von Dingen die wir nicht brauchen und vielleicht nicht einmal mögen, dann wirkt sich das auch auf unser Wohlbefinden aus. Deswegen möchte ich heute die 3 größten Hürden beim Ausmisten betrachten.

Anfangs ist das Ausmisten eine ungeheure Überwindung. „Das könnte ich doch noch brauchen“ oder „Ich kann doch kein Geschenk wegschmeißen“ oder mein Favorit „Aber das ist doch ein Erinnerungsstück!“ All diese Sätze entstehen nicht aus deinem logischen Verstand. Fühl doch einfach mal rein. Klingt der Satz „das könnte ich noch brauchen“ wirklich positiv? Oder fühlt sich das eng und ein wenig beklemmend an?

Das könnte ich doch noch brauchen

Gehen wir Schritt für Schritt vor. Ja, du könntest diesen Gegenstand theoretisch noch brauchen, aber wann hast du ihn denn zuletzt verwendet? Wie oft kam es bisher vor, dass du genau diesen Gegenstand gebraucht hast? Die vermeintliche Sicherheit, die dir der Gegenstand gibt entsteht eigentlich nur, weil du Angst hast. Doch Angst ist kein guter Ratgeber. Angst sorgt dafür, dass du an Dingen festhältst, die dir nicht gut tun. Doch wovor hast du eigentlich Angst? Davor, dass du genau in dem Moment in dem du diesen Gegenstand brauchst, keinen hast? Ja, was soll denn dann schlimmstenfalls passieren? Dann musst du einen neuen kaufen oder eben ausleihen. Eigentlich kein Weltuntergang, oder? Gegenstände geben keine Sicherheit. Sie machen auch nicht glücklich oder zeigen Wohlstand an. Was spricht also dagegen, dass du damit beginnst Gegenstände auszumisten, die du sowieso nicht brauchst?

Ich kann doch kein Geschenk wegschmeißen

Doch, das kannst du. Wenn es dir nicht gefällt, dann hast du das Recht dieses Geschenk wegzuschmeißen, zu verschenken, zu verkaufen oder sonstwas damit zu tun. Denn es gehört ja nun dir! Ui, ich höre schon wie es in deinem Kopf rattert und was da alles hochkommt. „Ja, aber was soll denn die Person denken, die es mir geschenkt hat?“ „Ich wirke dadurch undankbar!“ „Was soll ich sagen, wenn man mich danach fragt?“ „Nein, also das geht gar nicht!“ Okay, erstmal – tief durchatmen! Warum sage ich, dass man Geschenke ausmisten darf? Ganz einfach, immer wenn du das Geschenk ansiehst oder in der Hand hast oder sogar benutzt, ist in dir ein kleiner Funke Unmut. Weil du den Gegenstand nicht magst. Das kann unbewusst sein, aber ich nenne dir ein Beispiel. Deine Mutter schenkt dir einen Pulli. Du findest ihn absolut furchtbar, aber weil du deine Mutter liebst, behältst du ihn. Immer wenn du deinen Schrank öffnest, siehst du ihn und denkst dir „Oh Gott, das Ding.“ Fühl mal genau hin. Ist das ein angenehmer Gedanke? Nein, aber du denkst ihn so oft, wie du diesen Schrank öffnest und den Pulli siehst. So und jetzt stell dir vor, du würdest den Pulli ausmisten. Nicht nur, dass du diesen negativen Gedanken nicht mehr regelmäßig hättest – alleine das ist schon eine Entlastung! – du würdest auch keine Verpflichtung mehr fühlen. Denn du hast die Verantwortung für dein Leben endlich übernommen. Anstatt zu sagen „das kann ich nicht, weil XY“ hast du beschlossen nur mehr Dinge zu behalten, die dir gut tun.

Aber das ist doch ein Erinnerungsstück

Okay, ich gebe zu – das ist mir auch sehr lange schwer gefallen. Vor allem Fotos sind ein ganz anderes Level. Doch es gibt andere Erinnerungsstücke die man dringend mal ausmisten sollte. Wie viele Geburtstagskarten hast du aufgehoben? Wie viele Kinokarten, Armbänder, Ringe, Briefe, etc.? Wenn du mal ganz ehrlich bist – erinnerst du dich wirklich besser durch diese Dinge? Ist es wirklich so, dass du eine Truhe voller Karten, Schmuckstücke und Briefe brauchst um dich an positive Dinge zu erinnern? Und viel wichtiger – willst du dich überhaupt noch an alles erinnern? Ja klar, wenn man immer noch Kontakt zu den Menschen hat, kann man diese Dinge auch aufheben. Doch oft heben wir Gegenstände von Menschen auf, mit denen wir keinen Kontakt mehr haben oder wollen. Wofür? Brauchst du wirklich Erinnerungsstücke an Menschen, die in deinem Leben keinen Platz mehr haben? Es gibt einen Grund, warum diese Personen nicht mehr da sind.

Puh, ziemlich viel Input und ehrlich gesagt auch nicht leicht zu verdauen, wenn man mal hinter das eigene Gedankenkarussell schaut. Doch es lohnt sich! Immer dann, wenn du merkst, dass du keinen klaren Gedanken fassen kannst, solltest du mal durch deine Wohnung gehen, Stück für Stück durchgehen was du hast und ausmisten. Das lenkt dich einerseits von den Gedanken ab die zu nichts führen und sorgt andererseits dafür, dass dein Kopf zur Ruhe kommt und sich langsam ordnet. Selbst wenn du nur einen (oder gar keinen) Gegenstand findest, den du nicht mehr brauchst oder willst, das ist egal! Vielleicht nutzt du die Zeit auch um aufzuräumen oder endlich dieses eine Regal zu montieren. Du musst auch nichts wegschmeißen, vielleicht kannst du die Dinge auch verkaufen oder verschenken. Wichtig ist nur – mach es in deinem Tempo und trau dich hinzusehen und vor allem hinzufühlen.