Okay, heute werde ich mich bei einigen ziemlich unbeliebt machen, aber das ist okay. Ich denke mal, dass fast alle die Welle an Minimalismus und Zero Waste mitbekommen haben, die gerade umgeht. Mich hat sie auch voll erwischt und ich liebe den Gedanken dahinter. Weniger Müll, weniger Chaos, besser für die Umwelt – doch ganz so einfach ist das nicht.

Kennt ihr das? Ihr seid auf der Suche nach einem Tipp um etwas zu verbessern und geratet auf das Profil oder den Blog oder einen Kanal oder was auch immer eines Menschen der ziemlich weit in dem Bereich ist. Ihr freut euch auf zahlreiche Dinge mit denen ihr beginnen könnt, denn alles auf einmal geht ja nicht. Dann lest ihr den Beitrag oder schaut das Video und schwupps ist eure gute Laune dahin. Denn ihr bekommt nicht nur den heiß ersehnten Tipp sondern auch direkt eine Belehrung darüber, warum ihr ab sofort unbedingt alles umstellen müsst, wie unverantwortlich es nicht ist, das nicht zu tun, etc. Vor allem im Bereich Zero Waste ist mir das schon ein paar mal passiert.

Alles mit Maß und Ziel bitte

Ich gebe es ganz offen und ehrlich zu – solche Leute schmeiße ich sofort aus meinen Listen raus. Das kann ich einfach gar nicht ab. Das selbe gibt es übrigens auch in allen anderen Bereichen. Menschen die so viel Wissen angesammelt haben, dass sie denken es besser zu wissen und glauben das Recht zu haben, andere belehren zu können. Ich finde neue Sichtweisen großartig und freue mich immer darüber, wenn mir jemand Zusammenhänge aufzeigt, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Doch diese Belehrungen dazu – die kann man sich gerne sparen. Ich verstehe es, man brennt für ein Thema und will die Welt besser machen – ja, bitte mehr davon! Doch bitte auch mit Maß und Ziel.

Zero Waste

Zero Waste ist ein absolut wichtiges Thema, dass unbedingt noch mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Ich selbst schaffe es nicht unseren Müll so zu reduzieren wie ich mir das vorstelle und habe bereits ein mega schlechtes Gewissen, wenn ich vergessen habe ein Sackerl mitzunehmen und dadurch eines kaufen muss. Doch wenn ich an einigen Stellen lese – den Coffee to go MÜSST ihr euch sparen können – sorry, aber da schrillen die Alarmglocken. Niemand muss irgendetwas – auch nicht bei Zero Waste. Die total fertige Mutter, die gerade noch so ihre Wut im Zaum hält, weil das Kind heute schon in einer Zeit von 3 Stunden 5 Wutanfälle hatte und den Coffee to go bestellt um ihr Kind nicht anzubrüllen, braucht kein schlechtes Gewissen haben. Sie kauft diesen Coffee to go um sich und ihr Kind zu schützen und wir sollten daneben stehen und ihr gratulieren, nicht ihr schlechtes Gewissen vergrößern, indem wir pauschal irgendetwas verbieten!

Darum bitte – lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden und redet auch niemandem eines ein. Jegliche Entscheidung für oder gegen etwas, ist in diesem Moment die beste Entscheidung die du treffen kannst und absolut niemand, darf dich dafür verurteilen.

Gute Vorsätze

Okay, genug aufgeregt, aber das musste unbedingt mal raus, denn das wurmt mich jetzt schon ewig. Doch was hat das alles mit guten Vorsätzen zu tun? Es ist November, bald Dezember, dann kommt Weihnachten und plötzlich steht Silvester vor der Türe. Wie wir alle wissen ist die Frage „Hast du gute Vorsätze fürs neue Jahr?“ keine Seltenheit und oft fühlt man sich ein wenig dazu genötigt ganz schnell ein paar aus dem Hut zu zaubern. Dann kommen Sätze wie „Ja, ich will abnehmen, mehr Sport machen und ordentlicher sein.“ Die Klassiker eben. Doch egal wie sehr man sich das auch wünscht – es klappt nicht lange. Da macht man ein paar Tage oder Wochen Sport und dann ist man schnell wieder im Alltag und die guten Vorsätze sind vergessen. Das ist zwar ärgerlich, aber „es war ja nicht so wichtig.“

Ist mir immer wieder passiert, bis ich beschlossen habe – ich habe keine guten Vorsätze mehr. Für mich zählt seit letztem Jahr nur mehr das, was ich aktiv sofort umsetzen kann und dann tue ich es entweder – oder eben nicht. Ich geißele mich nicht dafür, wenn etwas nicht klappt und vor allem habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr. Wie meine ich das aber? Beispiel Badezimmer: Seit Jahren hatte ich den Vorsatz „Ich will nur mehr Naturkosmetik verwenden.“ Immer wenn ich einkaufen war, habe ich dann jedoch zu den altbewährten Dingen gegriffen, denn immerhin muss ich mich ja vorher informieren welche Kosmetik gut ist und was wirklich tierversuchsfrei ist, am Besten auch ohne Parfum oder Zusatzstoffe, etc. Dann habe ich beschlossen, statt alles auf einmal ändern zu wollen, teste ich erst einmal immer mal wieder etwas und wenn das passt, behalte ich es auch bei.

Kleine Änderungen

So bin ich bei den Ringana Produkten gelandet. Die Firmenphilosophie hat mich absolut überzeugt und bisher auch jedes getestete Produkt. Die alten Produkte habe ich noch zu Ende genutzt und einfach nicht mehr nachgekauft. Ein weiteres Beispiel sind Wattepads. Ich habe einfach begonnen selbst welche zu häkeln und habe damit langsam aber sicher den Vorrat erreicht, den ich pro Woche brauche. Wenn ich Lust und Laune habe, häkle ich noch ein paar mehr. Ansonsten muss ich eben öfter waschen oder doch mal wieder ein gekauftes Wattepad benutzen.

Stoffwindeln sind auch ein super Beispiel. Wir haben gerade so viele Windeln, dass wir ein paar Tage damit wickeln könnten. Da aber nur ich die Stoffwindeln super finde, wickelt mein Verlobter eben mit normalen Windeln. Ich hätte jetzt die Möglichkeit mit ihm zu diskutieren und mich zu ärgern, doch der Ärger ist den Aufwand für mich (!) einfach nicht wert. Ich freue mich über Harmonie in unserer Familie mehr, als über ein paar Windeln weniger.

Wenn etwas einfach nicht passt

Zusätzlich gibt es aber auch einfach Dinge, die nicht für die jeweiligen Personen passen. Um wieder ein Beispiel zu nennen – Müllsackerl. Für mich ist es absolut undenkbar Müllsackerl aus Zeitungen zu falten. Das ist einfach nichts für mich bzw. uns. Auch die Variante ohne Sackerl – ähm nein. Ich möchte weder den Mistkübel regelmäßig auswaschen müssen, noch 2 Stockwerke damit hoch und runter laufen. Das ist für mich viel mehr Arbeitsaufwand als umsetzbar. Klar, kann ich mich dafür jetzt schuldig fühlen – aber jeder sollte da ansetzen wo er anders kann. Vielleicht ist es in ein paar Jahren ja anders. Wenn wir mehr in Richtung Zero Waste unternommen haben, unser eigenes Haus haben und unser Kleiner weniger Zeit braucht. Vielleicht aber auch nicht.

Doch soll ich jetzt alle Bemühungen verdoppeln um ein paar Dinge auszugleichen? Muss ich mich dafür fertig machen, dass ich gewisse Dinge nicht perfekt umsetzen kann? Oder ist der Gedanke, einfach sein Bestes zu geben, nicht angenehmer und auch leichter? Was ich sagen will ist ganz einfach – nehmt die Dinge nicht so super wichtig. Hört auf euch fertig zu machen, wenn etwas nicht perfekt klappt oder euren Vorstellungen entspricht. Manchmal ist es gerade einfach nicht besser gegangen. Natürlich sollte man Alternativen suchen, doch nicht um jeden Preis. Wir haben in der heutigen Zeit genug Stress und müssen uns nicht noch extra Arbeit aufladen, damit wir minimalistischer sind oder weniger Müll produzieren. Wenn jeder sein Bestes gibt und immer wieder nach einer Alternative sucht, dann ist das genug. Um etwas zu verbessern, sollte man sich nicht selbst geißeln müssen.

Zum Thema Ausmisten hatte ich übrigens hier auch schon mal einen Artikel geschrieben.