Zum Glück habe ich noch viel Zeit bis dahin, doch bereits jetzt beginnen die Wunschäußerungen bezüglich des Neugeborenen. Klar, Babys sind süß und alle wollen am liebsten so schnell wie möglich das Neugeborene sehen. Immerhin ist es in der ersten Zeit noch so klein und süß und etwas zerknautscht. Doch gerade da brauchen eigentlich sowohl Baby als auch Mama und natürlich auch der Rest der Familie Ruhe und Zeit für sich. Ich erinnere mich noch gut an mein letztes Wochenbett. Ich bin viel zu früh wieder im Haushalt aktiv gewesen, habe Kisten ausgepackt (wir sind kurz zuvor umgezogen) und Leute besucht. Mein Wochenbett hat dadurch ziemlich lange gedauert, weil ich mich immer wieder überanstrengt habe.

Haushalt

Der erste Punkt ist der Haushalt. Dieses Mal ist mir der Haushalt komplett egal – ich habe es mir auf jeden Fall vorgenommen. Die ersten Wochen sind für uns als Familie reserviert, nicht dafür, dass ich staubsauge, aufwasche, koche und vielleicht auch noch backe. Natürlich gibt es Kleinigkeiten die ich trotzdem machen werde, doch im Großen und Ganzen bleibt alles wie es ist. Die Waschmaschine braucht mich zum Glück nicht zum Händchen halten und um die Küche kümmert sich sowieso mein Verlobter. Das heißt ich habe viel mehr Zeit zum Kuscheln.

Schlaf

Der zweite große Punkt ist Schlaf. Ich weiß nicht mehr wie viel ich geschlafen habe in meinem Wochenbett, aber da ich nebenher auch noch von 10-15 Uhr täglich zu Hause gearbeitet habe – nicht genug. Wie viel Schlaf ich wirklich bekommen werde mit Neugeborenem und Kleinkind ist natürlich schwer vorauszusagen, aber ich habe mir vorgenommen zu schlafen wann immer ich kann und müde bin. Etwas woran ich jetzt schon arbeite 😉

Umzug

Es war eine absolute Schnapsidee kurz vor der Geburt umzuziehen. Das würde ich nie wieder so machen. Organisatorisch gesehen ist Kisten ein- und auspacken nämlich meine Arbeit und das ist einfach viel zu viel gewesen. Ich bin gefühlt ewig vor und nach der Geburt noch herumgelaufen und habe alles mögliche sortiert und herumgeräumt. Das hat den Heilungsprozess leider massiv verlängert.

Besuch

Letztes Mal haben wir ja weit weg gewohnt und ich wollte es niemandem „antun“ zu uns zu kommen um das Baby zu sehen. Darum sind wir schön brav von Horn nach Wien gependelt, damit auch niemand sich benachteiligt fühlt. Würde ich nie wieder machen. Wir wohnen jetzt zwar in Wien, aber wenn jemand das Baby sehen will, darf sich die Person gerne zu uns bemühen. Gerade im April, wenn es noch kalt ist, ist das Anziehen oftmals ziemlich langwierig. Wenn ich bedenke, dass wir dann 2 Kinder haben .. nein, die Personen dürfen gerne zu uns kommen. Ansonsten darf Besuch sich in ein Cafe bei uns in der Nähe setzen und sich dort mit uns treffen. Allerdings nur dann, wenn der Aufwand dafür geringer ist als ein Treffen bei uns zu Hause.

Übernachtungsbesuch

Aus vielen verschiedenen Gründen, hatten wir kurz nach der Geburt Gäste, die bei uns übernachtet haben. Das ist zwar einerseits praktisch, weil keine Anreisezeit besteht, andererseits ist es kurz nach der Geburt zu viel gewesen. Da wollte ich gerne frei in unserer Wohnung herum laufen und das war nicht komplett möglich. Auch etwas, was ich nicht mehr tun würde. Klar, es ist schön, wenn man mehr Zeit hat um Baby und Besuch einander vorzustellen, aber es hat mich persönlich zu viel Kraft gekostet.

Kochen

Definitiv eine Lehre aus dem ersten Wochenbett – wir werden vorkochen. Mein Verlobter ist zwar kein Fan von aufgewärmtem Essen, doch es ist einfach nicht genug Zeit und vor allem Kraft da um noch täglich 1 Stunde oder länger in der Küche zu stehen. Da ich jedoch kein Fan von Fertiggerichten bin, wird es definitiv selbstgemachtes geben. Papa kann sich ja auch was fertiges machen, wenn er denn möchte. Doch ich will ihm auch nicht aufbürden jeden Tag im Wochenbett neben unserem Wirbelwind zu kochen. Immerhin ist die Zeit auch für ihn eine Zeit der Ruhe und des Kennenlernens.

Baby schonen

Okay, dieser Punkt wird mich in meiner Umgebung sehr unbeliebt machen, doch damit kann ich leben. Ein Neugeborenes erkennt vor allem eins – Mama. Es kennt den Geruch und die Stimme und weiß – da bin ich sicher. Langsam gewöhnt es sich an all die lauten neuen Geräusche und den zweiten Elternteil sowie das Geschwisterchen. Und dann kommt eine Horde fremder Menschen die das Kind unbedingt im Arm halten wollen. Weg von Mama, zu einer fremden Person, mit fremdem Geruch und fremder Stimme. Ich fand das schon im ersten Wochenbett immer seltsam mein Baby „weg“ zu geben und wollte es immer schnell wieder haben. Ich wusste nur nicht warum. Einige Monate nach dem Wochenbett erst, habe ich verstanden, dass das ganz einfach zu viel für ein Neugeborenes ist und mein Impuls eigentlich goldrichtig war. Ich habe ihn nur unterdrückt. Dieses Mal dürfen die Leute gerne schauen und auch Köpfchen streicheln, aber mein Baby bleibt die erste Zeit definitiv bei mir.

Das Wichtigste – Ruhe und Entschleunigung

All diese Dinge haben vor allem eines gemeinsam – ich möchte viel mehr auf mich und mein Baby bzw. meine Familie achten. Egal was andere von mir erwarten oder sich wünschen. Ich weiß wie ungeheuer wichtig das Wochenbett ist um körperlich und emotional in meine Mitte zu kommen. Außerdem ist es als Mama einfach unerlässlich, dass ich auf mich achte und meine Bedürfnisse wichtig nehme, denn genau das will ich auch meinen Kindern beibringen. Dass sie ihre Bedürfnisse zu jeder Zeit ernst nehmen und zur Not dann eben auch einmal anderen dafür auf die Füße treten. Nicht boshaft, sondern weil es für sie wichtig ist und sie ihre Grenzen nicht nur erkennen sondern auch umsetzen.

Wenn ich an meinen Verlobten denke, wird er die Zeit vermutlich auch vor allem genießen wollen. Ganz in Ruhe, nur wir vier. Das Schöne am Wochenbett ist ja – alle nehmen eigentlich daran teil und dürfen es mitgestalten. Was würdet ihr denn in der Wochenbettzeit anders machen?