Ich hatte eine interessante Eingebung, die ich mit euch teilen wollte. In der Schwangerschaft soll man ja seinen Stress so gering wie möglich halten – vor allem gegen Ende der Schwangerschaft. Dann habe ich nachgedacht und festgestellt, meine Stressresistenz ist in den letzten Jahren gesunken und zwar trotz viel innerer Arbeit und verschiedenen täglichen Entspannungsübungen. Ich habe sogar das Gefühl mit jeder Entspannungsübung und jedem Schritt näher zu mir, sinkt meine Stressresistenz mehr und mehr.

Doch warum rühmen wir uns eigentlich alle, dass wir so stressresistent sind? Wieso genau ist es besser, viel Stress auszuhalten als ein entspanntes Leben zu führen? Früher bin ich von Termin zu Termin gehetzt. Ganz viele Termine waren so knapp bemessen, dass ich wirklich rennen oder sehr schnell fahren musste um es noch ganz knapp rechtzeitig schaffen zu können. Ich war gefühlt ständig auf dem Sprung, hatte eine randvolle To-Do-Liste und war eigentlich immer im Stress. Wenn mich gerade Arbeit oder Uni nicht im Griff hatten, habe ich mein Privatleben ausgefüllt so gut es ging. Einkaufen, Freunde, Familie, Erledigungen, was auch immer gerade ging. Entspannung war ein Fremdwort und brauchte ich auch nicht. Ich konnte ja viel Stress aushalten.

Schwangerschaft als Wendepunkt

Dann kam mein Verlobter und damit auch recht bald unser Sohn in mein Leben. Bereits in der Schwangerschaft habe ich gemerkt – Stress tut mir nicht so besonders gut. Also habe ich begonnen langsamer zu machen. Weniger Dinge erledigen, mehr Hilfe annehmen – ein absoluter Kampf mit mir selbst. Ich war ja immerhin selbstständig und konnte alles alleine meistern. Gegen Ende der Schwangerschaft war ich dann mit dem Rücken so belastet, dass ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte wirklich Schmerzen und musste mir helfen lassen. Im Wochenbett war ich so sehr mit unserem Sohn beschäftigt, dass ich einfach nichts tun wollte.

Dann wurde unser Sohn größer und ich habe wieder diesen Druck gefühlt, aber gemerkt es geht einfach nicht mehr. Ich hatte nicht die Energie die beste Version meiner selbst zu sein, unserem Kind die Aufmerksamkeit zu schenken, die er gebraucht hat und gleichzeitig zu arbeiten und den Haushalt zu schaffen. Also habe ich kurzer Hand erneut meinen Stress reduziert. Weniger Haushalt und nicht mehr in der Karenz nebenher arbeiten war der erste Schritt. Nach und nach habe ich Termine anders gelegt, nicht mehr alles in einem Aufwasch gemacht weil es „praktischer“ war und begonnen auch Pausen einzulegen.

Entspannung nach Plan

Den absoluten Umbruch gab es dann im Februar letztes Jahr. Ich habe mir einen Kurs besorgt, der mir dabei helfen sollte, meine inneren Dämonen endlich zu besiegen. Ich wollte endlich ein für alle Mal diesen ganzen alten Mist loswerden. Abgesehen davon, dass ich den Kurs jeder Frau (ja, er ist NUR für Frauen, die ihre Weiblichkeit wirklich leben wollen) empfehlen würde, begann er mit einer Bestandsaufnahme und einer Umstrukturierung des Alltags. Jeden Tag eine Stunde Zeit ungestört nur für mich. Das war die absolute Herausforderung bisher. Klar, hatte ich mal hier und da ein wenig Zeit für mich, aber wirklich eine Stunde am Stück ohne auf irgendetwas anderes zu achten, als auf mich selbst? Kein Haushalt, kein Kind, kein Mann, keine To-Do-Listen abarbeiten – nur ich selbst.

Der Inhalt des Kurses hat genau 3 Wochen gedauert und danach habe ich mir ganz bewusst immer und immer wieder Auszeiten genommen. Ich habe mir viel mehr Entspannung und Ruhe gegönnt, weil ich gemerkt habe – ich brauche das! Auch unser Sohn hat massiv profitiert, denn auch er braucht sehr viel Rückzug und Ruhe. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen Minimum 1 Tag Pause nach einem Termin einzulegen und wenn möglich wirklich nur 1 Termin am Tag zu haben. Klingt nach sehr wenig, aber ich merke wie sehr das meinen Alltag entspannt – und vor allem auch mich. Ich bin seltener frustriert, ich bin nicht mehr hektisch, kann besser auf unser Kind oder spontane Dinge eingehen. Ich habe wirklich die Zeit, die Dinge zu tun, die ich tun sollte oder möchte, etc.

Deswegen glaube ich ganz fest daran – Stressresistenz ist absoluter Schwachsinn. Wir sind nicht stressresistent sondern abgehärtet. Je mehr Stress unser Körper aushalten muss, desto länger brauchen wir auch wieder um uns zu entspannen. Es kann doch nicht der Sinn sein, das wir uns abhärten um noch mehr Stress auszuhalten und irgendwann daran zu Grunde gehen – körperlich, geistig oder emotional. Wir sollten – vor allem als Elternteil – darauf achten, was unser Stressniveau und unser Körper sagen. Wenn wir unter Dauer-Spannung stehen, reagieren wir schneller emotional, sind genervt, fühlen uns angegriffen, schreien, fahren aus der Haut, reagieren unwirsch oder genervt, etc. Deswegen sind gestresste Menschen auch so furchtbar anstrengend für ihre Umwelt.

Ein paar Tipps gegen Stress

Doch was kann man gegen den Stress tun? Nicht jeder hat den Luxus den ich habe und kann sich alle Termine aussuchen und frei einteilen. Der erste Punkt ist definitiv eine Bestandsaufnahme – Wo stehe ich? Was muss ich wirklich tun? Wo kann ich mir ein wenig mehr Zeit für mich nehmen? Was ist wichtig? Was ist dringend? Kann ich etwas wegfallen lassen oder abgeben? Was ist mir persönlich wichtig? Welche Entspannungsübungen tun mir gut? Was stresst mich am meisten? Das sind die ersten Schritte hin zu ein wenig Entlastung. Danach kann man sich weiter durcharbeiten und es werden immer mehr Punkte auffallen, die eigentlich nicht notwendig sind.

Eine weitere Entlastung ist die berühmte und gefürchtete Entrümpelung. Im ersten Moment verschlimmert sich das Chaos, man muss viel Zeit investieren um gründlich auszumisten, doch am Ende spart man sehr viel Zeit, Frust und Ärger. Denn wir alle sammeln immer mal wieder Dinge an, die wir nicht brauchen oder nicht wollen. Wenn diese Dinge endlich weg sind, fühlt man sich nicht nur befreit sondern hat auch im Alltag weniger Dinge die belasten. Doch auch ätherische Öle helfen dabei zu entspannen. Probier einfach mal aus, welcher Duft dir dabei hilft, runter zu kommen – bei mir ist es Lavendel und auch unserem Sohn hilft dieser Geruch beim Einschlafen. Im Alltag entstehen immer mal wieder kleine Pausen die man für Entspannungsübungen nutzen kann. Während man wartet, dass das Essen fertig ist, kann man Atemübungen oder eine Kurzform der Progressiven Muskelentspannung durchführen.

Auf dem Weg zur Arbeit kann man super eine Meditation machen – wer davon nichts hält, kann es ja mal mit einer Atemmeditation versuchen. Yoga, Tai Chi und Qi Gong helfen ebenfalls mehr in den Körper zu kommen und zu fühlen wie es dir geht. Manchen hilft schon ein Glas Wein, eine Tasse Tee oder Kaffee, ein gutes Buch oder ein ausgedehntes Schaumbad. Es gibt hundert Wege zu entspannen und sich um sich selbst zu kümmern. Vielleicht ist auch der Partner/die Partnerin so lieb und massiert dich. Vor allem Fuß- und Handreflexzonenmassagen sind sehr entspannend. Eine weitere ganz große Baustelle ist das Umfeld. Durch andere Menschen entsteht oft ein unnötiger Druck, weil XY möchte, dass man dieses oder jenes macht oder weil XY findet, dass dieses oder jenes doof ist. Wie man diesen Druck los wird, beschreibe ich jedoch demnächst an anderer Stelle. Das würde den Rahmen sprengen.

Das sind nur erste Anregungen, vielleicht ist ja etwas für dich dabei, ansonsten befrage einfach mal dein Umfeld, einen Arzt/eine Ärztin, Bücher oder auch eine Suchmaschine, welche Entspannungsmethoden es gibt und welche gut funktionieren. Wenn dir noch eine gute Entspannungsmethode einfällt, die ich unbedingt mit aufnehmen soll, dann kannst du sie gerne als Kommentar hinterlassen.