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Depression oder ein Weg hinaus

Heute wird es ein etwas schwer verdauliches Thema geben. In meiner Jugend gab es einige Monate, in denen ich nicht nur an einer schweren Depression litt, sondern wirklich vollkommen am Ende war. Ich habe keinen Sinn mehr in meinem Leben gesehen, habe begonnen mich selbst zu verletzen und mich immer wieder in lebensgefährliche Situationen gebracht. Doch irgendwie habe ich es aus diesem schwarzen Loch wieder heraus geschafft. Diesen Teil meines Lebens habe ich gerne hinter mir gelassen, doch heute ist mir siedend heiß bewusst geworden, was mir geholfen hat und das möchte ich gerne mit euch teilen. Vielleicht hilft meine Erkenntnis der einen oder dem anderen dabei, sich aus dem eigenen Loch zu holen.

Wie meine Depression begann

Ich bin ein sehr gefühlvoller Mensch, doch habe ich gelernt, dass Gefühle etwas Schlechtes sind. Ich habe damals begonnen meine Gefühle Stück für Stück abzuschotten. Gleichzeitig habe ich mich von meinen Freunden und meiner Familie isoliert und unverstanden gefühlt. Meine damalige Beziehung habe ich beendet, weil er mir fremd gegangen ist. Zusätzlich musste ich meinen absoluten Lieblingssport aufgeben und das Ganze kam innerhalb der kürzesten Zeit. Dann ein paar unbedachte Worte von jemandem der mir sehr nahe stand – schwupps war meine Depression umgeschlagen und ich hatte immer öfter das Bedürfnis einfach zu gehen.

Der Lichtblick

Ich wollte nicht mehr weiter leben, nicht so. Unbewusst suchte ich nach Möglichkeiten wieder zu fühlen – irgendetwas und wenn es nur Schmerz war. Ich wusste, wenn dieses Gefühl weg wäre, würde ich mein Leben beenden. Das Ganze ging einige Wochen und eines Abends, als ich wieder überlegte warum ich eigentlich noch hier bin, kam mir wieder einmal der Gedanke „mich würde sowieso niemand vermissen, keiner würde um mich trauern.“ Ganz ganz leise hat sich plötzlich eine Stimme gemeldet, die 2 Namen genannt hat. 2 Personen, die über mein Ableben betrübt wären und diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht weiter zu machen. Die Erkenntnis, dass es auf dieser Welt wenigstens 2 Personen gibt, die mich brauchen und die traurig wären, wenn ich nicht mehr bin – das hat mein Leben gerettet.

Der Kampf um mein Leben

An dieser Erkenntnis habe ich mich von da an festgehalten. Immer, wenn ich wieder in die negativen Gedanken gerutscht bin, wenn ich mich verletzen oder in Gefahr bringen wollte, dachte ich an diese beiden Menschen. Stück für Stück konnte ich all die selbstzerstörerischen Gedanken ablegen und auch wenn ich diesen beiden nie davon erzählt habe, bin ich ihnen unendlich dankbar. Dafür, dass sie mir geholfen haben, dass sie in meinem Kopf und mein Rettungsanker waren. Jeden Tag kam ich ein wenig besser mit mir selbst zurecht, bis ich merkte – ich bin aus dem Schlimmsten raus. Seitdem bin ich auch nie wieder so tief gefallen. Ich hatte noch lange mit Depressionen zu kämpfen, aber jedes Mal wurde es leichter. Ich habe endlich erkannt was mich depressiv gemacht hat, ich habe begonnen mein Leben in die Hand zu nehmen und beschlossen, dass ich nie wieder so sehr am Boden liegen will. Dieser Entschluss und die Erkenntnis haben mein Leben gerettet.

Warum schreibe ich das?

Ganz einfach – es gibt viele Menschen, die genau an diesem Punkt stehen an dem ich stand und noch einen Schritt weiter gehen. Die nicht wissen, wie sie sich da wieder herausholen können. Viele Menschen stehen kurz vor dem Punkt an dem ich stand und wollen ihn verhindern, doch auch ihnen fehlt vielleicht die Erkenntnis, dass sie es wert sind zu leben. Dass es da draußen jemanden gibt, der sie braucht. Selbst wenn es „nur“ die Katze oder der Goldfisch ist.

Ich möchte meine Geschichte teilen, damit andere nicht erst so weit kommen. Damit Eltern erkennen, dass ein Rückzug ihrer Kinder nicht immer „normal“ ist. Niemand in meinem Umfeld hat gesehen wie ich leide. Keiner fand meinen Zustand bedenklich oder sogar lebensbedrohlich. Ich war ja nur mal wieder in einer depressiven Phase. Man muss kein Elternteil sein um jemandem der depressiv ist Unterstützung anzubieten. Auch wenn man immer hört „es ist eh alles okay“ und „ich brauche keine Hilfe“ – genau diese Angebote können am Ende des Tages den Unterschied machen. Der Satz „ich bin für dich da“ und „du bist mir wichtig“ kann Leben retten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Darum ist dieser Beitrag so ungeheuer wichtig für mich. Ich möchte so vielen Menschen wie möglich zeigen, dass sie einen Unterschied machen – egal ob sie Depressionen haben oder ob sie jemanden kennen, der depressiv ist. Bitte seht nicht weg oder redet es klein. Depressive Menschen leiden. Sie sind nicht nur antriebslos und traurig. Dieses Tal in dem sich viele befinden ist so tief, dunkel und einsam, dass man leicht das Gefühl bekommt, dass man da nie wieder heraus kommt. Jeder unbedachte Satz kann einen weiter in die Depression treiben. Jedes Angebot von Hilfe und jede Zuneigungsbekundung macht dieses Loch wieder heller.

Und heute?

Meine letzte Depression hatte ich vor 2 Jahren. Die Abstände wurden immer länger und mittlerweile würde ich sagen – die Depression hat keine Chance mehr. Seit ich 16 Jahre alt bin arbeite ich nun daran, mein Leben zu verbessern, mein Selbstwertgefühl aufzubauen und bin meinem Ziel immer näher gekommen – der Depression keine Chance mehr lassen. Es gab natürlich trotzdem immer wieder Phasen in denen ich Rückschläge einstecken musste, doch diese wurden immer kürzer. Ich hatte keine monatelangen depressiven Phasen mehr, in denen ich mich verkrochen und nicht erkannt habe, wie es mir geht. Ich habe gelernt auf meine Gefühle zu achten und so schnell wie möglich gegen zu steuern. Nachdem ich schwanger geworden bin, war mein Antrieb noch größer und ich wusste – jetzt ist es wichtiger denn je, auf mich zu achten.

Letztes Jahr im Februar habe ich dann das letzte Puzzleteil gefunden um meine negativen Gefühle endgültig aufzulösen und umzuwandeln – die bilaterale Hemisphärenstimulation. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Beide Gehirnhälften werden angeregt um die schlechten Gefühle einmal erneut zu durchleben und sie anschließend loszulassen. Anschließend sind sie für immer verschwunden. Das hat nicht nur meinen Zugang zu mir selbst vollends eröffnet, sondern auch sehr viele Alltagsprobleme gelöst. Ich habe mich nicht mehr ständig auf Grund meines Selbstwertgefühls angegriffen gefühlt und dadurch meine Beziehungen verbessert. Ich komme jeden Tag ein Stück näher an die Person, die ich gerne sein möchte und die ich wirklich bin.

Darum kann ich nur jeder Person mitgeben – egal wie tief man gerade gefallen ist oder ob „eh alles okay ist“. Es geht besser und es geht schöner. Nicht sofort, aber mit jedem Tag ein bisschen mehr. Der Weg lohnt sich! Hier hatte ich bereits geschrieben, welche Tipps dabei helfen, wieder einen Zugang zu sich selbst zu finden.

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