Hier gelangt ihr zu Teil 1 und hier zu Teil 2 der Reihe „Homeoffice mit Kleinkind“. Heute möchte ich ein paar weitere Ideen mit euch teilen wie ihr euren (neuen) Alltag mit Homeoffice und Kleinkind gestalten könnt. Ganz wichtig ist zu bedenken, dass es auch für eure Kinder eine riesen Umstellung bedeutet. Mit einem Schlag fällt alles Gewohnte weg und nun müssen auch sie sich erst zurecht finden. Je nach Temperament des Kindes, kann das auch mal länger dauern. Nehmt euch die Zeit als Familie um einen gemeinsamen Alltag zu finden und stresst euch nicht dabei. Ihr müsst nicht von Tag 1 an genau wissen was ihr wann wie erledigen solltet oder was am meisten Sinn macht.

1 Projekte umsetzen

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber bei uns türmen sich immer neue Ideen von „Oh, das ist toll, das machen wir auch!“ Aber im Alltag fehlt oft die Zeit um diese Projekte dann auch wirklich umzusetzen. Alleine in den letzten 2 Tagen haben wir jedoch schon einige Ideen umgesetzt bzw. begonnen umzusetzen, die wir schon ewig vor uns her schieben. Dazu gehört das Montieren von Vorhängen am Hochbett oder auch das weitere arbeiten am Activity Board. Solche Projekte – sobald sie abgeschlossen sind – geben mir die nötige Motivation um auch mal schwierigere Tage durchzustehen. Und vielleicht kann ja das eine oder andere Projekt auch mit kleinen helfenden Händen umgesetzt werden.

2 Pläne visualisieren

Daniela hat auf ihrem Blog diekleinebotin einen großartigen Wochenplaner als Freebie geteilt. Auch bei uns hängt nun ein Wochenplaner, damit einfach besser greifbar ist wie unser Tag grob abläuft bzw. ablaufen soll. Gerade wenn man zwischen Homeoffice, Kinderbetreuung, Paarzeit, Haushalt und Zeit für sich jonglieren muss, finde ich solche Planer absolut hilfreich. Gemeinsam kann man erklären wofür welches Symbol steht und das Kind hat etwas woran es sich entlang „arbeiten“ kann.

3 Baden

Euer Kind steht auf Wasserspiele? Dann ist baden die perfekte Lösung. Selbst wenn ihr kein super tolles Spielzeug für die Wanne zu Hause habt – gebt eurem Kind einfach ein paar Schüsseln und Becher und es ist happy. Badebomben kann man auch ganz schnell selbst machen und peppen das Badeerlebnis auf. Aber das aller einfachste ist – geht gemeinsam baden. Das kann je nach Alter eventuell abgelehnt werden, aber mit Mama oder Papa baden ist im Kleinkind-Alter oft noch sehr beliebt. Viel Körperkontakt, man kann einander die Haare waschen oder sich gegenseitig nass spritzen. Durch die sichere Hand kann man einfach ein wenig schwimmen – viel Abwechslung und wenig Aufwand. Danach kann man sich großartig gemeinsam ins Bett oder auf das Sofa kuscheln und den Abend ruhig ausklingen lassen.

4 Matratzenhüpfen

Wenn hier mal wieder die berühmten 5 Minuten ausbrechen, dann ist Matratzenhüpfen der perfekte Ausgleich. Alle überschüssige Energie kann damit abgebaut werden und mi etwas Glück kann man danach gemeinsam kuscheln und schlafen. Für diejenigen unter euch die keine Hüpfkissen haben – nehmt einfach eine Matratze vom Bett und legt sie auf den Boden. Auch das Sofa kann zum Hüpfen benutzt werden – oder eine alte Gitterbett-Matratze. Wichtig ist nur, dass die Oberfläche leicht federt. Dieses Spiel geht übrigens auch super während ihr etwas im Homeoffice erledigt. Ihr müsst nur die Umgebung um die Matratze absichern und schon kann euer kleiner Hüpfer loslegen.

5 Erzählsteine

Diese Idee habe ich zum ersten Mal auf dem Blog Mini and Me gesehen und war absolut begeistert. Sinn und Zweck ist es (bei uns) große flache Steine zu bemalen um dann gemeinsam Geschichten zu erfinden. Gerade jetzt wo unser Großer so viele neue Wörter lernt und mit Feuereifer erzählt und redet, werden wir uns endlich an die Umsetzung der Erzählsteine machen.

6 Selfcare-Liste

Der für mich wichtigste Punkt bisher. Ich bin ein Mensch der viel Zeit für sich braucht. Mich laugen große Menschenmengen und Gruppentreffen aus. Ich lese gerne mal in Ruhe ein Buch und meditiere. Gerade mit Kleinkind war es für mich anfangs sehr schwer auf mich zu achten, obwohl unser Sohn gerade etwas von mir wollte. Nach und nach habe ich erst verstanden, dass ich auf mich achten und mein Kind gleichzeitig betreuen kann. Ich habe mir eine Selfcare-Liste erstellt mit all den Dingen die mir gut tun und Kraft geben und immer wenn ich merke, ich brauche etwas nur für mich, werfe ich einen Blick auf diese Liste. Dann suche ich mir eine Sache aus die gerade passt und setze sie um – mit Kind.

7 Humor

Ein kleines Beispiel: Mein Sohn und ich haben gemeinsam Kekse gebacken. Da ich gerade wirklich einfach nur in Ruhe Kaffee trinken wollte, habe ich mich mit Kaffee in meine Ecke verkrümelt und unseren Sohn einfach mal machen lassen. Ich konnte ihn nicht sehen, aber wusste genau – irgendwas „stellt er an“. Nachdem ich meinen Kaffee geleert hatte, war ich innerlich wieder ganz ruhig und habe mal nachgesehen was mein Kind da eigentlich so treibt. Ich hatte das frisch aufgemachte Sackerl Mehl am Tisch stehen gelassen und unser Großer hat das ganze Mehl am Boden und Tisch verteilt. Mein erster Impuls war eigentlich wütend zu werden, doch er saß so happy in seinem Mehlhaufen, dass ich einfach nur lachen konnte. Nicht nur, dass das Mehl überall lag und auch seine Kleidung voll war – auch sein Gesicht und seine Haare waren absolut weiß.

Also habe ich gewartet bis er fertig war – das Mehl lag eh schon am Boden – habe ihn ausgezogen und sauber gemacht und danach immer noch belustigt das Mehl weggesaugt. Viele Situationen lassen sich ganz einfach auflösen, indem man sie mit Humor nimmt. Oft ist die Wut schnell verraucht und man kann durchaus die positiveren Aspekte einer Situation sehen – zum Beispiel das ins Spiel versunkene und absolut glückliche Kind im Mehlhaufen. Oh und den Kaffee den man ganz in Ruhe trinken konnte 😉

8 Keep it simple

Das ist ein Tipp der sich auf alle Bereiche bezieht. Es muss kein Festessen sein, man muss keine großartigen mega Bastelprojekte planen, es muss nicht der super tolle neue Indoor-Spielplatz sein oder die beste und tollste Geschichte. Auch der Haushalt muss nicht immer zu 100% tiptop sein! Kinder interessiert es nicht ob es das neueste, beste, tollste oder größte ist – Kinder wollen einfach nur Liebe und Aufmerksamkeit. Das heißt es kann ganz easy einfach ein Eisstäbchen-Memory nach Farben sein. Dann hat man eben mal nicht das lecker aussehende neue Rezept probiert das dummerweise 3 Stunden dauert, sondern nur eben schnell die Nudeln gekocht und die Sauce angerührt. Vereinfacht die Dinge. Egal ob es ums Kochen, den Haushalt, Homeoffice oder die Kinderbespaßung geht. Macht euch keinen riesen Kopf und seid einfach da. Das ist genug – ihr seid genug.

9 Eisenbahn

Schon wenige Schienen reichen um immer mal wieder eine etwas andere Strecke zu bauen und somit Abwechslung ins Spiel zu bekommen. Auch hier muss jedoch kein riesiges Sortiment vorhanden sein. Man kann ganz einfach Tiere, Figuren und Bauklötze dazu stellen und schauen was sich daraus entwickelt. Wenn man keinen Plan hat sondern einfach der Kreativität ihren Lauf lässt, können ganz wundervolle Spiele entstehen. Auch etwas was perfekt neben dem Homeoffice geht. Mal eben die Eisenbahnschienen zusammen bauen, eine Umgebung basteln und mit Glück ist das Kind so vertieft, dass man selbst wieder seinen Homeoffice-Tätigkeiten nachgehen kann.

10 Flexibilität

Mein absoluter Lieblingspunkt. Routine ist wichtig, Alltag ist wichtig, Flexibilität aber auch. Es bringt keinen um, wenn man mal einen Punkt verschiebt, später macht, anders macht, mit Kind macht oder wie auch immer. Gerade im Homeoffice ist man viel flexibler, kann sich die Aufgaben so legen, dass sie sich um den Alltag herum legen lassen und kann viel eigenverantwortlicher handeln. Da kann man mal früher beginnen, später Feierabend machen oder auch einfach mal in der Aufgabe unterbrechen um Tränen zu trocknen und danach weiter machen. Das Schöne ist – Kinder wollen eigentlich Harmonie. Das bedeutet wenn ihr erklärt, dass ihr mal eben das schnell fertig macht und dann wieder spielt/bastelt/malt/singt – und euch bitte auch daran haltet – dann sind eure Kinder zu Kompromissen bereit und können auch mal warten. Je nach Alter ist diese Wartezeit natürlich begrenzt und je älter das Kind ist, desto einfacher wird es.

Schon wieder das selbe?

Ganz ganz hilfreich für mich war das Wissen – Kinder lernen durch Wiederholung. Wir hören manchmal 5x hintereinander ein einziges Lied, nur damit es gelernt werden kann. Ja, mir geht nach dem 5. Mal Itsy Bitsy Spider auch auf die Nerven und ich würde mich freuen, wenn wir mal etwas anderes hören könnten, aber wenn eure Kinder gerade genau dieses Lied lernen wollen, dann beißt einfach in den sauren Apfel und setzt euch wenn nötig und möglich Kopfhörer auf mit eurer Lieblingsmusik. Das geht übrigens nicht nur bei Liedern so sondern auch bei Spielen. Ich weiß nicht wie oft hintereinander wir ein und das selbe Puzzle miteinander gemacht haben, bis es wirklich beherrscht wurde.

Gerade wenn man „aufeinander hockt“ kann das natürlich schnell mal frustrieren, aber behaltet im Hinterkopf – euer Kind lernt gerade. Ich habe mir angewöhnt mich über jeden minimalen Fortschritt zu freuen und diesen wirklich zu feiern. Gemeinsam oder nur für mich. Seitdem ich weiß, dass mein Kind nicht 5 Mal das selbe Lied hören will um mich in den Wahnsinn zu treiben, sondern nur um es wirklich zu lernen, kann ich ganz entspannt und auch liebevoll damit umgehen.

Solltet ihr jedoch kurz davor sein das Gerät aus dem Fenster zu schmeißen, weil ihr tagsüber nur mehr das Lied hört, morgens damit aufwacht, abends damit einschlaft und es den ganzen Tag im Hintergrund läuft – versucht zu verhandeln. Erklärt eurem Kind einfach „Boah, ich kann dieses Lied gerade nicht mehr hören. Ich möchte jetzt bitte etwas anderes hören.“ Und dann schlagt einfach ein paar Lieder vor, spielt sie an und wenn ihr könnt – bietet auch an das Lied gemeinsam zu hören/singen. Wenn gar nichts anderes akzeptiert wird, dann habt ihr nur die Möglichkeit entweder dabei zu bleiben und eben die Emotionen zu begleiten oder das Lied wieder anzumachen. Aber egal wie – diese Phase geht vorbei. Wirklich! Und dann hört ihr ein neues Lied 😉