Homeoffice mit Kind
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Homeoffice mit Kleinkind – 10 Überlebensstrategien Teil 4

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Reihe Homeoffice mit Kleinkind. Heute gebe ich euch vor allem den Gedanken an die Hand eure Einstellung zu bedenken. Im Alltag mit Kind kann man viel lernen, vor allem Entschleunigung. Man lernt seine eigenen Grenzen besser kennen und wächst über sich hinaus. Nehmt diese Zeit als Crashkurs für Persönlichkeitsentwicklung an. Kämpft nicht gegen das was ist an, sondern akzeptiert, lasst los und seht wohin euch der Weg führt – gemeinsam.

1 Picknick

Eine ganz tolle Idee um Abwechslung ins Thema Essen zu bringen ist übrigens ein Picknick. Das muss nicht draußen sein, sondern ihr könnt es euch einfach im Wohnzimmer auf dem Boden gemütlich machen. Praktisch ist es übrigens, wenn man dabei wirklich Picknick-Speisen nutzt. Ein Abendessen mit Sauce endet schnell mal in ganz viel Arbeit, weil das auf dem Boden essen gar nicht so einfach ist.

2 Bewegungsspiele

Hier könnt ihr euch an das halten, was eure Kinder bereits aus dem Kindergarten kennen oder einfach mal sehen was ihr so findet an Bewegungsspielen. Gerade wenn Kindergarten und Spielplatz wegfallen, stehen einige Eltern abends mit einem völlig überdrehten Kind da, weil einfach das Auspowern fehlt. Bewegungsspiele helfen dabei das Kind körperlich auszupowern. Das kann die berühmte „Reise nach Jerusalem“ sein (ja, das geht auch zu 2. oder 3.) oder man lernt gemeinsam die Bewegungen per Video. Ihr könnt euer Kind auch einfach fragen, was es sonst im Kindergarten macht und euch von eurem Kind beibringen lassen, was es schon alles kann.

3 Kleine Neuerungen

An anderer Stelle hatte ich es schon einmal erwähnt – es muss nicht immer das tollste, größte, neueste und beste sein. Jegliche Neuerung kann bei eurem Kind ein voller Erfolg werden. Das kann ein Blümchen mehr am Activity Board sein, das Umstellen der Spielsachen oder auch einfach ein neues Spielzeug. Ihr müsst euch nicht ständig etwas Großartiges und Neues ausdenken. Ändert eine Kleinigkeit und schickt euer Kind auf Entdeckungstour. Was genau ist neu? Was hat sich geändert? Das alleine ist schon spannend und gibt euch ein wenig Zeit für Homeoffice-Tätigkeiten.

4 Mach einfach dein Ding

Ja, richtig gelesen. Du brauchst gerade Ruhe? Gönn sie dir. Dein Kind muss nicht dauerhaft bespaßt und beschäftigt werden. Wenn du ein Buch liest, kann es ganz schnell sein, dass dein Kind auch dazu kommt und ebenfalls liest. Du willst Yoga machen? Have fun! Ja, vielleicht klettert dein Kind auf dir herum, na und? Nutz es doch als Übung für dein Gleichgewicht und als Kraftsporteinheit 😉 Nur weil jetzt alle zu Hause sind, muss der Alltag sich nicht plötzlich nur ums Kind drehen. Auch Erwachsene haben Bedürfnisse und die dürfen gerne erfüllt werden.

5 Erwartungen loslassen

Das ist eigentlich schon der ganze Trick hinter Homeoffice mit Kleinkind. Der Tag muss nicht durchgetaktet sein, das Essen muss nicht ständig frisches Gemüse beinhalten und es kann auch mal ein wenig unaufgeräumter und staubiger sein – so what? Erstens ist Besuch gerade sowieso nicht so klug (Social Distancing) und zweitens machen Erwartungen nur Druck und Frust. Niemand hat etwas davon und alle leiden darunter – eine absolute lose-lose-Situation. Wenn wir aber einfach loslassen und uns zugestehen, dass manche Sachen einfach mal aufgeschoben werden oder länger dauern können, dann sind wir viel entspannter.

6 Alltag neu betrachten

Auch hier ist es ganz viel Einstellungssache. Für uns ist Alltag oft lästig. Man muss mal eben die Wäsche waschen und aufhängen, dann noch eben staubsaugen und aufwaschen, die Fenster müssen geputzt werden und dann ist da auch noch der Stapel an Dokumenten und Rechnungen die erledigt und sortiert werden wollen. Was für uns absolut normal und langweilig oder sogar anstrengend ist, ist für unsere Kinder aber absolut spannend und aufregend und vielleicht sogar neu. Da sind die Krümel am Boden vom letzten Kuchen essen kleine Monster die vom großen Staubsauger aufgesaugt und vernichtet werden. Da wird das Betten beziehen zur Kissenschlacht und der aufgewaschene Boden zur Eisfläche. Das Blumen gießen ist dann nicht schon wieder dran, sondern man freut sich darüber, dass man die Blumen endlich wieder füttern darf damit sie groß und stark werden. Wenn wir durch die Augen unserer Kinder sehen, können auch wir noch viel lernen. Außerdem – unser Alltag ist ihre Kindheit. Lasst eure Kinder machen und putzt zur Not nochmal heimlich nach, aber lasst eure Kinder bitte Kinder sein und ausprobieren – wenn möglich und nicht gefährlich!

7 Gemeinsame Aktivitäten

Oft wollen wir Dinge gerne schnell und mal eben alleine erledigen und sagen unserem Kind „warte“. Ich habe mal eine Zeit lang beobachtet wie oft ich das zu meinem Kind sage und war entsetzt. Unsere Kinder haben nur eine gewisse Kooperationsbereitschaft und irgendwann kann auch das geduldigste Wesen kein „warte“ mehr hören. Selbst ich hab nach dem 5. Mal schon keine Lust mehr ständig zu warten – selbst wenn es einen guten Grund dafür gibt. Also habe ich beschlossen mein Kind mit einzubeziehen. Wir machen uns einen Spaß daraus gemeinsam die Blumen zu gießen und beim ausräumen des Geschirrspülers weiß unser Kleiner schon genau wo was hingehört (bisher ging auch nur 1 Sache kaputt). Danach kann man gemeinsam ein Puzzle machen, toben oder auch einfach ein Buch lesen, kuscheln oder was auch immer. Wichtig ist nicht was gemacht wird, sondern dass man die Zeit aktiv gemeinsam nutzt. Damit ist nicht gemeint nebeneinander her zu arbeiten sondern wirklich miteinander etwas zu tun. Dann habt ihr auch wieder mehr Zeit für eure Homeoffice-Tätigkeiten, weil ihr den Aufmerksamkeits-Tank eures Kindes gefüllt habt indem ihr voll da wart.

8 Musik machen

Dafür braucht ihr eigentlich nicht mal ein Musikinstrument. Begebt euch auf die Suche womit ihr Geräusche machen könnt und testet einfach aus was dabei heraus kommt. Erforscht mit euren Kindern welche Gegenstände welche Geräusche machen und was ihr wie miteinander kombinieren könnt. Klingt der große Topf genauso wie der kleine, wenn man ihn mit einem Kochlöffel beklopft? Wie klingen Plastikschüsseln mit Schneebesen? Wenn man Reis in eine Dose füllt, wie klingt das? All das ist nicht nur für eure Kinder spannend, auch Erwachsene können durchaus mal überrascht werden. Lasst eure Kinder dabei auch ruhig mal experimentieren und lasst euch von ihrer Neugier leiten und anstecken. Folgt der Führung eurer Kinder und werdet selbst zum Kind.

9 Fühlen

Wisst ihr wie sich Reis in der Hand anfühlt? Oder getrocknete Erbsen? Könnt ihr blind den Unterschied zwischen den Nudelarten erfühlen? Die Idee kam mir durch ein Halloween-Spiel. Da geht es darum „eklige“ Dinge in einem Kasten blind zu erfühlen. Aber das Spiel kann man auch gut blind und ohne eklige Dinge spielen. Schüttet einfach ein paar trockene Zutaten in Schüsseln, macht die Augen zu und fühlt einfach mal. Für kleine Kinder ist es vielleicht ohne geschlossene Augen und mit Tuch über den Händen sinnvoller. Das muss auch nichts essbares sein. Nehmt verschiedene Stoffe, Haushaltsutensilien, Alufolie, Plastiksackerl, etc. Alles was ihr in die Finger bekommt und ungefährlich ist.

10 Nein sagen

Eines der wichtigsten Dinge im Homeoffice und ich rede jetzt nicht nur von euren Kindern. Klar, man muss auch zum Kind mal „Nein“ sagen, aber auch zum Chef, den Kollegen, dem Partner, den Tieren und zu einem selbst. Der Chef kommt kurzfristig mit einem neuen Projekt und ihr habt keine Ressourcen? Nein. Ein Kollege/eine Kollegin hat einen absoluten „Notfall“ und ihr sollt einspringen? Nein. Der Partner weiß ihr habt etwas Wichtiges zu tun und will genau jetzt etwas? Nein. Was so einfach klingt ist oft sehr schwer umzusetzen und löst ganz viele Ängste aus. Da kommen Dinge hoch wie „ich darf nicht Nein sagen, weil ich sonst meinen Job verliere/meine Kollegen mich nicht mögen/mein Partner wütend ist/mein Kind sonst weint“ – aber sie alle haben das selbe Gefühl zu Grunde, wir haben Angst. Angst ist aber kein guter Ratgeber und sollte nie die Basis für eine Entscheidung sein. Tut bitte das was euch gut tut und sagt „Nein“ wenn euch etwas nicht gut tut – egal zu wem und warum. Auch wenn es auf den ersten Blick heroisch erscheinen mag, wenn ihr jetzt Überstunden schiebt und euch mehr Arbeit aufhalst – das ist es nicht.

Muss ich mein Kind trotz Homeoffice den ganzen Tag bespaßen?

Nein! Um Gottes willen, bitte nicht. Im Normalfall wird zu Hause genug Spielzeug herum liegen mit dem sich euer Kind beschäftigen kann. Gerade im Homeoffice ist es wichtig auch mal „Nein“ zu sagen. Wichtig ist zu erkennen, ob das Kind gerade warten kann oder nicht. Jedes Kind ist anders und es gibt kein Patentrezept für Homeoffice mit Kleinkind. Es ist immer ein Jonglieren zwischen den Aufgaben und hin und wieder wird ein Ball herunter fallen – das ist normal. Prioritäten, Verhandlung und Grenzen heißen die Zauberwörter.

Was ist wichtig und dringend? Wie viel kann ich mir/meinem Kind/meinem Partner/meiner Partnerin zumuten? Wie viel Pause brauche ich um den Alltag gut zu meistern? Welche Aufgaben können warten? Muss ich das wirklich jetzt sofort tun oder hat es noch ein wenig Zeit? Wie viel Haushalt kann ich schaffen und ist es wirklich notwendig jetzt noch zusätzlich die Vorhänge zu waschen/den Tiefkühler zu enteisen? Wo kann ich Aufgaben abgeben oder ganz weglassen? Wie viel Zeit verbringe ich wirklich im Homeoffice? Mache ich nur die Stunden die ich muss oder sogar mehr? Wo kann ich unseren Alltag ein wenig entschleunigen und erleichtern? Gibt es Bereiche wo es immer wieder kriselt? Wenn ja, woran liegt das?

Es geht darum einen gesunden Mittelweg zu finden und immer wieder neu auszuhandeln. Jeder Mensch hat nur begrenzte Kapazitäten und diese sollten gerade in Zeiten in denen man unsicher ist nicht überschritten werden. Vielleicht kann man Aufgaben neu strukturieren, etwas automatisieren, vorübergehend verringern oder sogar ganz wegfallen lassen. Hier ist vor allem Kreativität und ehrlich hinschauen gefragt. Keiner hat etwas davon wenn man stur an einem Plan festhält und sich dabei vollkommen verausgabt. Wir müssen gerade jetzt darauf achten, dass wir genügend Ressourcen haben.

Die Unsicherheit

Unsere Kinder spüren die Unsicherheit und auch wenn sie vielleicht später nicht mehr wissen was genau los war, so werden sie sich doch an diese Zeit und unseren Umgang damit erinnern. Ein kleiner Hinweis noch – gerade wenn ihr jetzt mehr Zeit zu Hause verbringt, weil ihr Homeoffice habt, kann es sein, dass eure Kinder gefühlt an euch kleben. Kleinkinder haben noch kein Zeitgefühl und können nichts damit anfangen, wenn man ihnen sagt „ich bin doch eh lange zu Hause“. Sie leben im Moment und in diesem seid ihr gerade mehr da. Das bedeutet mehr Zeit mit einem geliebten Menschen und das wird voll ausgenutzt. Da wird gekuschelt und ständig irgendetwas gezeigt. Das Kind will auf die Schoß und getragen werden und mittendrin sein statt nur dabei. Wenn das Kind die Sicherheit hat, dass ihr nicht am nächsten Tag wieder in den Alltag übergeht, wird dieses Verhalten im Normalfall auch wieder schwächer. Wie immer gibt es auch hier leider keine Garantie wie lange diese Phase andauert – es kommt immer auf das Kind an.

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