Selbstliebe
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Selfcare mit Kind

Gerade jetzt, wo viele Familien sich sozial isoliert und eingesperrt fühlen, ist Selfcare immens wichtig. Vermutlich wichtiger als jemals zuvor. Wie sollen wir liebevoll bleiben, wenn wir am Limit sind? Doch das Thema Selfcare mit Kind scheint für viele ein unüberwindbares Hindernis. Denn man braucht ja Zeit für sich dafür. Doch ist das wirklich so? Kann man sich nur dann um sich selbst kümmern, wenn die Kinder und der Partner/die Partnerin nicht anwesend sind? Nach nun fast 3 Jahren zu Hause mit Kind kann ich das definitiv verneinen.

Selfcare mit Baby

Die erste und wohl härteste Lektion, die ich lernen musste war, dass ich mir auch mit Baby Zeit für mich nehmen muss. Ich dachte damals, dass das Baby ja wohl irgendwann im Bettchen schlafen wird und ich dann Zeit für mich habe – Pustekuchen. Unser Großer hat immer nur auf mir geschlafen und ich konnte ihn nicht ablegen. Egal wie ich es probiert habe, mein Kind hat quasi auf mir gewohnt. Dazu kam dann recht schnell das Clustern dazu und damit war es vorbei. Die Trage wollte unser Großer partout nicht, also hatte ich auch keine freien Hände für irgendetwas anderes. Gerade in Fällen, wo das Baby wirklich viel Nähe braucht, muss man jedoch auf sich achten.

Alltag erleichtern

Wir haben es nach ein paar Monaten dann endlich geschafft eine Lösung zu finden, die für alle geklappt hat. Einerseits haben wir darauf geachtet, dass ich Essen auch mit einer Hand machen kann. Die Mikrowelle lief bei uns täglich, denn lange am Herd stehen war mit Kind das stillt ein wenig anstrengend. Wir hatten immer Brot und Marmelade zu Hause, damit ich die Sachen einfach nur zum Tisch tragen, dort mit Kind auf dem Schoß vorbereiten und dann essen kann. Haushalt haben wir großteils auf das Wochenende gelegt, weil auch das ohne freie Hände ein etwas schwieriges Unterfangen war. Geduscht habe ich eben Abends wenn mein Schatz zu Hause war und mal eben unseren Sohn übernommen hat.

Auf sich achten

Das alles waren jetzt bisher nur Grundbedürfnisse, doch es war schon eine massive Erleichterung endlich eine Lösung hierfür zu finden. Nach dem Wochenbett habe ich viel Zeit mit unserem Kind im Wohnzimmer oder auch mal an meinem Schreibtisch verbracht. Während er selig auf mir geschlummert hat (im Stillkissen, damit ich die Arme frei habe), konnte ich meine Serien schauen, ein Buch lesen, etwas spielen oder was auch immer. Sport gab es nur, wenn mal wieder Blähungen auftraten und ich durch die Wohnung geschunkelt und getanzt bin.

Mit Baby ist man „leider“ ein wenig angebundener, aber Selfcare hat viele Facetten. Das kann mal Schokolade sein, die man abends genießt. Doch es kann auch einfach mal der ungestörte Kaffee sein, wenn das Baby endlich eingeschlafen ist. Selfcare bedeutet für mich nicht unbedingt alleine sein, sondern sich etwas Gutes tun – wie auch immer das für dich aussieht!

Selfcare mit Kind

Mit Kind wird vieles leichter und gleichzeitig auch schwerer. Babys laufen noch nicht durch die Gegend – Kinder schon. Da kann man schon mal den halben Tag damit verbringen, dem Kind hinterher zu rennen. Das haben wir abgeschafft indem wir ganz einfach wirklich alles kindersicher gemacht haben. Es gab nichts wo man ausrutschen konnte, nichts zum an- und runterziehen, keine ungesicherten Steckdosen und zur Not wurden eben alle Türen geschlossen, dann kann das Kind eben nur einen einzigen Raum erkunden. Alles was zu Bruch gehen konnte oder unsicher war, haben wir einfach zwischenzeitlich entfernt. Damit fiel das ständige „Nein“ weg und der Alltag war so viel entspannter.

Heute mit fast 3 Jahren, kann unser Großer schon sehr viel alleine und durch seinen wunderbaren Willen, weiß er auch genau was er will. Das ist an manchen Tagen – je nach Laune natürlich – total super, weil man genau weiß, was das Kind braucht und an manchen Tagen ist es absolut nervenraubend, denn da muss der Apfel nicht nur gewaschen sondern auch geschält und geschnitten werden, aber bitte mit dem richtigen Messer. An solchen Tagen, lege ich ganz bewusst Pausen ein und achte auf meine Grenzen. Wie viel kann ich geben? Wie kann ich mich so gut um mich selbst kümmern, dass ich liebevoll bleiben kann?

Was brauchst du wirklich?

Dafür habe ich eine Liste erstellt mit verschiedenen Dingen, die mir gut tun. Diese Dinge sind nicht auf einen Bereich begrenzt und es gibt Dinge die ich alleine machen möchte, aber auch jene Dinge, die man ganz easy mit Kind umsetzen kann. Das Wichtigste an Selfcare ist, zu schauen – was ist mein Bedürfnis? Nicht der Wunsch der sich in „ich will doch nur 5 Minuten Ruhe“ äußert (denn nach den 5 Minuten sind wir meistens immer noch nicht entspannter als vorher), sondern das Bedürfnis dahinter. Brauchst du ein wenig Ruhe im Sinne von ausruhen oder ist es vielleicht der Lärmpegel? Will dein Kind gerade mehr Nähe und Körperkontakt als du?

Sind wir uns bewusst, welches Bedürfnis eigentlich hinter unserem Wunsch steht, dann können wir auch die richtige Strategie auswählen. Vielleicht sind wir gerade auch „nur“ gestresst und brauchen ein wenig Entspannung? Wenn wir unter Strom stehen, können wir auch einfach mal Musik anmachen und mit unserem Kind durch die Wohnung tanzen. Das Wunderbare an Selfcare ist nämlich – man muss es nicht alleine tun, sondern kann seine Mitmenschen mit einbinden.

Selfcare mit Partner/in

Manchen Menschen fällt es sehr leicht Selfcare mit Kind zu praktizieren und dafür verzweifeln sie am Partner/an der Partnerin. Darum mache ich einen kurzen Schlenker, bevor ich auf das Thema Selfcare zurück komme.

Gerade mit einer 40 Stunden Woche fühlen sich plötzlich viele in der Pflicht, den Abend und das Wochenende komplett mit dem Partner/der Partnerin zu verbringen. Das ist übrigens ein Irrtum und nicht gesund, aber das ist wieder ein anderes Thema. Quality Time ist das Stichwort, das ganz viele Menschen langsam in den Wahnsinn treibt. Man will Zeit zu zweit verbringen – am Besten ohne Kind – und dann bitte auch noch qualitativ hochwertig und so viel wie möglich, weil man sieht sich ja unter der Woche so selten. Ganz schön viel Erwartungsdruck. Eigentlich kann das ja nur schief gehen.

Meine Erkenntnis Nummer 1 war – wenn ich nicht genug auf mich achte, dann hat mein Partner auch von gemeinsamer Zeit nichts. Erkenntnis Nummer 2 war – Quality Time ist immer anders, je nachdem was beide Partner/innen gerade brauchen. Wollen beide einfach nur abschalten, kann Quality Time auch bedeuten, dass man gemeinsam einen Film auf dem Sofa schaut und dabei einschläft. Es geht nicht darum, dass man bewusst ständig Zeit füreinander einplant, sondern dass man die Zeit die man miteinander verbringt auch mal bewusst genießt. Das geht übrigens auch, wenn man gerade kocht.

Selfcare zu zweit

Wie geht also Selfcare mit Partner/in? Eigentlich recht einfach. Macht was euch gut tut, egal ob euer Partner/eure Partnerin gerade da ist oder nicht. In einer Beziehung profitiert jeder von euch davon, wenn der andere auf sich und seine Bedürfnisse achtet. Sollte euer Partner/eure Partnerin ein Problem damit haben, dann könnt ihr das ganz einfach kommunizieren. „Schatz, ich brauche gerade XY, danach bin ich gerne wieder voll für dich da.“ Ja, manchmal ist das nicht so „einfach“. Dann kommen Ängste hoch und manchmal vielleicht auch Schuldgefühle. Doch jeder von uns hat das Recht und auch die Pflicht so gut wie möglich für sich selbst zu sorgen. Denn nur dann, können wir wirklich liebevoll sein.

Man kann übrigens auch mit dem Partner/der Partnerin gemeinsam Selfcare betreiben. Steht auf eurer Liste „in Ruhe einen Kaffee genießen“, dann geht das perfekt mit Partner/in gemeinsam. Vielleicht tut es euch gut, wenn ihr Zeit für eine Massage habt? Auch da könnt ihr euren Partner/eure Partnerin einbinden.

Fazit

Selfcare muss nicht immer bedeuten, dass man etwas alleine tut. Natürlich ist Zeit für sich zu haben wichtig und kann auch Selfcare bedeuten, doch man sollte sich nicht darauf versteifen. Viele Dinge gehen super zusammen, wenn man sich dafür öffnet. Schaut einfach was euer wirkliches Bedürfnis ist und wie ihr es euch erfüllen könnt – egal ob mit oder ohne anderer Person. Achtet auf euch und geht liebevoll mit euch selbst um. Vielleicht dauert es eine Weile, bis ihr wisst was euer wahres Bedürfnis ist und wie ihr dieses befriedigen könnt – das ist okay. Ihr habt Zeit und mit jedem „das klappt so nicht“, kommt ihr der Lösung ein Stückchen näher. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Ausprobieren!

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