Schwangerschaft
Geburt

Wenn die Geburt anders läuft als geplant

Eigentlich wollte ich eine Hausgeburt. Bereits nach meiner ersten Geburt war für mich klar – ich will nie wieder so fremdbestimmt sein wie damals. Nach vielen Überlegungen und Gesprächen mit meinem Schatz, haben wir uns geeinigt – es soll eine Hausgeburt werden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn unser zweiter Sohn kam im Krankenhaus auf die Welt.

Im Gegensatz zu meiner ersten Geburt, haben die Wehen schon sehr früh eingesetzt und 2 Wochen gedauert. Es waren keine Vorwehen, denn mit Wärme oder Entspannung wurden sie stärker. Zuerst haben die Wehen nur kurz gedauert, hatten sehr lange Abstände und waren leicht. Doch mit jedem Tag wurden sie stärker, die Abstände kürzer und die Wehen länger. Meine Hebamme hat immer wieder nach uns gesehen, doch es ging nichts weiter. 2 Tage vor der Geburt hatte ich plötzlich nachts einen Blasensprung. Da ich aber noch immer keine starken Wehen hatte, ging ich wieder ins Bett, nachdem ich meiner Hebamme Bescheid gesagt hatte. Sie kam am nächsten Tag vorbei und trotz Blasensprung, war der Muttermund nicht weit genug geöffnet. Abends kam meine Hebamme erneut vorbei – keine Änderung, also ab ins Krankenhaus.

Dank Corona durften mein Mann und mein Kind nicht mit, also habe ich zum ersten Mal in 3 Jahren mein Kind nachts alleine gelassen. Ein furchtbares Gefühl. Ich hatte die Hoffnung, dass es vielleicht im Krankenhaus sehr schnell gehen würde. Ich wurde untersucht, bekam Antibiotika, mir wurde ein Bändchen gelegt und dann hieß es, ich soll schlafen gehen. Morgen würde man sehen wie weit ich war. Gegen 5 Uhr wurde mir erneut ein Antibiotikum gegeben und die Wehen wurden langsam sehr stark. Ich gab zu Hause Bescheid, damit mein Schatz bei der Geburt dabei sein konnte. Gegen 6 Uhr merkte ich – die Presswehen haben begonnen.

Die Geburt

Irgendwie schleppte ich mich von meinem Zimmer zum Untersuchungsraum und dann ging alles schnell. Die Herztöne waren nicht so berauschend, mir wurde Sauerstoff gegeben und händisch der Muttermund den letzten cm gedehnt. Ich bekam ein Schmerzmittel und innerhalb weniger Minuten standen 4 Personen in dem kleinen Untersuchungszimmer. In mir klingt noch immer der Satz nach „Jetzt muss es schnell gehen. Pressen Sie so stark Sie können … Sonst wird es ein Kaiserschnitt.“ Durch diesen Satz bekam ich unendlich viel Kraft. Ich wollte mit aller Macht verhindern, dass es ein Kaiserschnitt wird. Wie sollte ich mich denn sonst um meinen Großen kümmern?

Nach 16 Minuten war das Kind da. Keiner der Anwesenden hätte damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Nach der Geburt hörte ich nur mehr den Satz „Eine Erstlingsmutter hätte das nicht geschafft, da hätten wir sofort einen Kaiserschnitt vorbereiten müssen.“ Ich war unglaublich erleichtert als ich mein Baby endlich in den Armen hielt. 2 Wochen lang hatte ich Schmerzen gehabt und das Bändchen hatte die Wehen um einiges stärker werden lassen, als bei meiner ersten Geburt. Doch trotz allem war diese Geburt selbstbestimmt. Ich wurde bei jedem Eingriff gefragt ob es okay ist. Ich wurde nicht übergangen und es wurde nichts gemacht, was ich nicht wollte. Diese Geburt war nicht das was ich mir erträumt habe, doch sie war gut und selbstbestimmt. Es gibt nichts aufzuarbeiten und ich habe mich großartig gefühlt. Nach dieser Geburt konnte ich ambulant nach Hause gehen – zu meinem Erstgeborenen. Es war absolut befreiend.

Nicht der Ort, sondern die Personen sind wichtig

Ich möchte mit dieser Geschichte Mut machen. Denjenigen, die vielleicht keine Hausgeburt haben können/wollen oder die aus welchen Gründen auch immer im Krankenhaus gebären wollen/müssen. Selbst wenn man bereits im Krankenhaus geboren hat und die Geburt nicht so lief wie erträumt, kann es beim nächsten Mal ganz anders kommen. Nicht jedes Krankenhaus und nicht jeder Arzt oder jede Hebamme übergeht die Wünsche oder Forderungen der Gebärenden. Jede Geburt ist anders, nicht nur die Geburt an sich sondern auch die Umstände.Hadert nicht damit, wenn ihr doch anders gebären müsst wie gewünscht, macht das Beste daraus. Fordert eure Rechte ein und lasst euch nicht einfach umpusten. Für euch und euer Kind. Es ist egal wo ihr euer Kind bekommt – die anwesenden Personen sind ausschlaggebend.

Meine Hypnobirthing-Techniken habe ich übrigens nicht bewusst angewandt. Während der 2 Wochen Wehen habe ich immer wieder die Atemtechniken und Entspannungstechniken angewandt, doch während der Geburt habe ich nur mehr einen Gedanken in mir gehabt. „Bitte lass es kein Kaiserschnitt werden. Alles nur kein Kaiserschnitt.“ Ein Kaiserschnitt ist kein Weltuntergang, aber für mich ist es einfach nicht erstrebenswert. Mit meinem Wirbelwind zu Hause, war es für mich einfach keine Option. Ich verstehe aber jede Frau, die sich für einen Kaiserschnitt entscheidet – egal ob vor oder während der Geburt.

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