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Dinge die ich gerne vor meinem ersten Kind gewusst hätte

Einige Dinge sagt einem niemand, wenn man ein Kind bekommt. Vielleicht um keine Angst zu machen oder weil man es schlichtweg vergessen hat. Egal wie, als ich Mama wurde, habe ich so viele Ratschläge gehört und Infos bekommen, doch ganz viele wichtige Dinge wurden nie auch nur annähernd erwähnt. Jetzt mit zweitem Kind ist es einfach diese Dinge zu akzeptieren, doch bei meinem ersten Kind wäre ich manchmal fast verzweifelt. Also möchte ich eine Liste erstellen – hoffentlich recht vollständig – damit kein Neu-Elternteil so unvorbereitet ist wie ich damals.

Körperpflege

Körperpflege ist essentiell wichtig. Nur im Wochenbett und auch eine Zeit danach manchmal unschaffbar. Selbst eine schnelle Dusche ist manchmal einfach nicht drin. Da wickelt man, zieht um, kuschelt, schläft, füttert, trägt und schon ist es nachts und man war wieder nicht duschen. Ja – das ist normal! Irgendwann kommt dann die Routine und man denkt – jetzt kann ich endlich wieder in Ruhe duschen. Falsch gedacht! Da brüllt das Kind genau dann los, wenn man es ablegt oder 5 Minuten nachdem man die Dusche betreten hat (wenn man Glück hat).

Ich bin mehr als nur einmal in den letzten 3 Jahren klitschnass aus der Dusche gesprungen, habe mir nur schnell ein Handtuch umgewickelt und habe mein Kind wieder beruhigt und/oder gestillt. Das ist alles kein Grund zur Sorge und mit jeder Woche wird es leichter – wirklich!

Ein kleiner Tipp – Badewannen sind Gold wert. Wenn ich nicht in Ruhe duschen konnte, habe ich mich einfach mit Kind in die Wanne gelegt. Das Wichtigste – vorher alles bereit legen, damit es schnell geht. Wer keine Wanne hat, kann auch mit Kind duschen. Ich habe das aber nur einmal gemacht und habe daher keine Tipps für die Dusche mit Baby oder Kind.

Schlaf

Welches Elternteil kennt den Satz nicht: „Schlaf wenn das Baby schläft.“ Ja, nette Idee, ABER – welcher erwachsene Mensch schläft bitte immer so kurz? Auch die Aussage „wenn du stillst, dann ist das Schlafen leichter“ ist anfangs kompletter Humbug. Vielleicht habe ich ja zwei besondere Exemplare erwischt, aber meine Kinder haben als Babys maximal 1 Stunde am Stück geschlafen und ständig die Brust verloren. Das heißt ich konnte in 1 Stunde mit Glück mal eine halbe Stunde dösen. Dann war mein Kind wieder wach. Erholsam ist was anderes.

Der Schlafentzug war die ersten Monate schlimm. Ich war nur kaputt obwohl ich den ganzen Tag geschlafen habe und hatte schon begonnen an mir zu zweifeln. Aber das ist normal und wird auch besser – zum Glück!

Zusätzlich zu möglichen Stillproblemen kommt übrigens auch der Fakt, dass manche Kinder gerne geschunkelt werden wollen. Das heißt für den müden Elternteil also noch weniger Schlaf als ohnehin schon. Denn Kinder schlafen direkt nach dem Einschlafen nicht tief und fest, sondern müssen noch (gefühlt ewig) weiter geschunkelt werden. Hört man auf, wachen sie wieder auf. Wichtig zu wissen – Schlafentzug ist eine Foltermethode, darum ist die Labilität in dieser Zeit vollkommen normal.

Das erste Jahr

Ich finde Babys ja süß und dachte – das erste Jahr ist von Kuscheln geprägt. Klar, das Kind schreit auch mal, aber es schläft ja fast den ganzen Tag. Das erste Jahr ist nicht nur schön sondern auch mega anstrengend.

Direkt nach der Geburt wird man schon mit organisatorischen Dingen beworfen – Kinderarzt, Dokumente, Kindergeld, etc. Dann beginnt das Ankommen mit Kind. Die Müdigkeit, die Regeneration, man schwitzt viel mehr, das Kind hat vielleicht Blähungen oder schreit aus einem anderen Grund. Oh, Gründe dass das Kind schreit gibt es unendlich viele – Dreimonatskoliken, Gebärmutterheimweh, Entwicklungssprung (auch Schub genannt), Impfreaktion, Zahnen, etc.

Ich habe bei meinem 2. Kind noch einen neuen Grund zum Schreien kennengelernt – die Brustschimpfphase. Keiner weiß ob es sie wirklich gibt, aber es ist immer gut einen Grund für das Schreien zu haben. Wenn es nur eine Phase ist, geht es vorbei und das gibt unendlich viel Kraft, wenn man eigentlich keine mehr hat vor Müdigkeit.

Das erste Jahr ist voller erster Male, voller Liebe, Frust, Lachen, Verzweiflung und vielem mehr. Es ist wunderschön und mega anstrengend.

Schlafsignale

Auch bekannt unter „Rituale“. Ich konnte mit dem Begriff Ritual nicht so viel anfangen, bzw. konnte ich damit nie ein Ritual etablieren. Nach 2-3 Wochen habe ich meistens aufgegeben, weil ich zu viel auf einmal umgesetzt habe. Erst mit dem Begriff Schlafsignal konnte ich endlich mehr anfangen und Stück für Stück ein sogenanntes „Ritual“ einführen.

Kurze Erklärung – ein Schlafsignal ist ganz einfach etwas (Gegenstand/Ablauf/Umstand) das immer wieder kehrt (am Besten in der immer gleichen Reihenfolge) und dem Kind damit signalisiert – jetzt ist Schlafenszeit. Für mich war das eine griffigere Erklärung als „führt ein Ritual ein“. Wollt ihr mehr dazu erfahren, könnt ihr hier nachlesen. Ich kann den Blog nur empfehlen, denn er hat mir mehr als nur einen Aha-Moment beschert seit ich Mama bin!

Was ich auch nicht wusste war, dass sich Schlafsignale auch einschleichen können und dass diese sehr schwer wieder weg zu bekommen sind. Ich dachte immer, dass Angewohnheiten sich bei Kindern noch leichter ändern lassen, erst nach dem Lesen dieses Artikels hatte ich wirklich begriffen warum immer alle von der Wichtigkeit von Einschlafritualen sprechen.

Partnerschaft

Eine viel unterschätzte Tatsache ist die, dass die Beziehung sich als Elternteil ändert. Viele meinen „ja, ist doch klar. Man muss nun gemeinsam wachsen und an der Beziehung arbeiten“, aber wirklich erklären wie das geht, das kann keiner. Wenn ein kleiner Mensch in unser Leben tritt, werden wir vom Paar zur Familie. So viel ist vermutlich jedem Menschen klar. Was mir allerdings nicht klar war ist, dass das bedeutet, dass man nun vollkommen und schonungslos offen und ehrlich sein muss. Ja, muss!

In einer Partnerschaft kennt man sich, man weiß (oder glaubt zu wissen), wer der andere ist, was er braucht und mag oder auch nicht mag. Es fällt – im Vergleich zum Leben mit Kind – recht leicht dem Partner die Wünsche von den Augen abzulesen. Sobald das Kind da ist, nimmt es beide Elternteile ein. Plötzlich ist nicht mehr klar was der Partner braucht. Manchmal weiß man selbst nicht was man braucht oder will. Man nimmt an, dass der Partner immer noch den Durchblick hat und vergisst, dass beide Elternteile sich mit der Geburt verändert haben.

Der größte Fehler ist zu glauben, dass es reicht Zeit zu investieren. Es geht nicht um Zeit sondern um Ehrlichkeit, Offenheit, Verletzlichkeit. Man kann sich nicht mehr verstecken und hoffen, dass man trotzdem gesehen wird. Viele Menschen machen den Fehler und unterschätzen den Einfluss der Paarbeziehung auf das Familiengefüge. Auch ich habe den Einfluss massiv unterschätzt. Ich hätte all das schon gerne früher gewusst. Dass man offener sein muss und einfach sagen muss, was man will. Vor allem hätte ich gerne früher gewusst, dass die Veränderung von Partner zu Elternteil so groß ist, dass man den anderen neu kennen lernen darf.

Jedes Kind ist anders

Auch dieser Satz wird gerne gesagt und eigentlich nie erklärt. Jedes Kind ist anders. Hiermit ist nicht Charakter, Eigenschaft, Aussehen oder sonst etwas gemeint, sondern alles. Kinder können in wirklich allen Aspekten vollkommen unterschiedlich sein. Mein erstes Kind zum Beispiel hat immer nur mich gebraucht. Zum Einschlafen, Beruhigen, Spielen, etc. Alles ging immer nur mit, bei oder auf mir. Er hat im Prinzip auf mir gewohnt im ersten Jahr. Hat Papa versucht ihn zum Schlafen zu bringen, wurde so lange geschrien, bis Mama da war. Es gibt Kinder, die nur eine einzige Person als Bezugsperson akzeptieren und diese auch vehement einfordern. Kinder, die sich nicht durch andere beruhigen lassen und auch keinen Millimeter davon abrücken. Das ist anstrengend, aber komplett normal. Es gibt auch Kinder, die sich leicht von anderen Menschen beruhigen lassen – auch das ist normal.

Dann gibt es auch Kinder, die keinerlei Hilfsmittel annehmen. Diejenigen, die absolut alles verschmähen – Stofftier, Kuscheldecke, Schmusetuch, Schnuller, Trage, Kinderwagen, Wippe, alles. Ebenfalls etwas ganz Normales und im späteren Lebenslauf wunderbar. Diese Kinder wissen genau was sie wollen und fordern es vehement ein. Manche Erwachsene müssen sich das erst hart erarbeiten!

Außerdem gibt es auch Kinder die man als 24/7-Kinder, High-Need-Babys oder auch Hochsensibel nennt. Das sind Kinder die mehr brauchen. Mehr Liebe, mehr Nähe, mehr Sicherheit – einfach mehr. Auch das hat mir vorher leider niemand verraten. Unser Großer hat das komplette erste Jahr auf mir gewohnt. Ich konnte ihn nicht ablegen und er musste immer bei mir sein. Sobald er gemerkt hat, dass da kein Körperkontakt ist, ist er aufgewacht und hat geschrien als würde sein Leben davon abhängen. Auch das ist vollkommen normal und das Einzige was wirklich dauerhaft hilft und die Bindung und das Urvertrauen nicht zerstört ist – Nähe. Lass dein Kind an dir kleben und genieße es. Die Zeit vergeht viel schneller als gedacht und dann will dein Kind vielleicht gar nicht mehr kuscheln.

Veränderungen

Mit einem Baby verändert sich das Leben, so viel ist klar. Doch es ist nicht nur eine Person mehr, man wird nicht nur zum Elternteil sondern man beginnt zu verschmelzen. Die Hormone sind sehr praktisch, da sie uns im ersten Jahr am Leben erhalten und auch dafür sorgen, dass wir das Baby am Leben erhalten. Oxytocin (das Kuschelhormon) wird bei jedem Stillen oder Kuscheln ausgeschüttet und sorgt damit dafür, dass die Bindung immer enger wird. Das ist super – ehrlich. Auch unser Schlafrythmus passt sich dem des Babys an, was auch mega praktisch ist und nach einigen Wochen endlich zu weniger Schlafmangel führt.

Das Problem dabei ist allerdings, dass durch das Hormonchaos viele beginnen sich aufzulösen. Da ist nicht mehr der erwachsene Mensch von früher, sondern nur mehr das Elternteil. Hobbies, Interessen, Routinen werden nicht nur kurzzeitig sondern dauerhaft gestrichen. Man gibt sich auf, verliert sich in seiner neuen Rolle und wundert sich dann, warum die Laune dauerhaft am Boden ist.

Eine weitere Info die ich gerne schon vorab gehabt hätte, beziehen sich auf die Dauer der Umstellung. Es dauert ewig, bis der Hormonhaushalt sich wieder normalisiert. Insgesamt dauert es mindestens 9 Monate, damit der Körper wieder im Vor-Schwangerschafts-Zustand landet. Ein Grund mehr die 8 Wochen Wochenbett einzuhalten. Beim ersten Kind habe ich das Wochenbett und vor allem das Ausruhen komplett unterschätzt.

Mitsprache

Das ist eine Tatsache die sowohl in Bezug auf Kinder als auch in Bezug auf Hunde zu beobachten ist. Man wird urplötzlich zum Freiwild für alle. Egal ob Familie, Freunde, Bekannte oder Fremde – jeder will mitreden. Egal ob gut gemeinte Ratschläge, versteckte Seitenhiebe, Kritik, Angriff oder sogar Verachtung – alles ist mal dabei. Das „Lustige“ daran ist – man kann es nie allen recht machen. Egal was man tut, irgendwer findet immer etwas daran auszusetzen. Darum muss man sich ganz schnell ein wirklich dickes Fell wachsen lassen.

Es gibt kein Thema in Bezug auf Kinder, zudem man keine Meinung hören wird. Das beginnt auch schon ab Tag 1. Mein Tipp hierfür ist vor allem lächeln, „Danke für deine Sorge“ sagen und weiter machen, wie man es für richtig hält. Niemals auf Diskussionen einlassen, keine Rechtfertigungen und vor allem – nichts anhören, was man nicht hören will. Egal wer es ist, wenn man es nicht hören will, dann bitte unterbrecht die andere Person höflich. „Danke für deine Sorge. Ich möchte über dieses Thema nicht sprechen. Bitte akzeptier das.“ Punkt. Wird weiter diskutiert – einfach gehen (bei Besuch wird auf die Tür verwiesen). Nach über 3 Jahren, habe ich festgestellt, dass alles andere nur Zeit und vor allem Nerven kostet. Nerven, die ihr für euren Alltag mit Kind braucht!

Niemand hat das Recht deine Grenzen zu überschreiten. Womit wir zum weiteren wichtigen Punkt kommen – setze dich intensiv mit deinen Grenzen auseinander. Setzt du Grenzen? Wenn ja, wie? Hast du irgendwo Probleme mit eigenen oder fremden Grenzen? Kinder bekommen ist wie eine gratis Therapie. Alles was an alten Schmerzpunkten und Themen vorhanden ist, wird hochgeholt. Solange, bis das Thema oder der Schmerzpunkt geheilt sind. Dazu werde ich jedoch einen eigenen Beitrag schreiben, da das Thema viel zu groß ist und den Rahmen massiv sprengen würde.

Abstruse Orte

Klar wusste ich wie stillen ungefähr geht, doch wo man überall stillt und wie – davon hatte ich keine Ahnung. Ich habe mir nie vorstellen können wie oft so ein kleines Wesen Hunger haben kann. Selbst wenn ich 2 Stunden gestillt habe und nur kurz aufs Klo gerannt bin, kam oft schon der Schrei nach Hunger. Ich kann nicht mehr zählen wie oft ich schon auf dem Klo (egal ob zu Hause oder öffentlich) gestillt habe.

Parkbänke, öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants, Cafes, Autos, in der Badewanne, in der Trage oder auch außerhalb – dem Baby ist der Ort egal. Und auch gewickelt habe ich schon an seltsamen Orten. Mehrmals auch schon im Winter schnell schnell im Fußsack in einer öffentlichen Toilette, weil gerade nichts anderes in der Nähe war und die Windel dann gerade doch nicht dicht halten wollte. Ich bin ungeheuer froh darüber, dass ich den perfekten Stillpulli gefunden habe – da sieht man gar nichts wenn ich stille!

Freier Abend

Ich glaube das kennt jeder Elternteil – den Mythos vom freien Abend. Kleine Babies schlafen viel. Also war für mich logisch, sie schlafen abends früh ein, man hat noch 1-2 Stunden Freizeit und Zeit für Selfcare und dann geht man ins Bett um am nächsten Morgen gemeinsam aufzuwachen. Tja, so war das bei keinem meiner Kinder. Nach den ernüchternden ersten Monaten dachte ich dann – hey, wenn sie älter werden klappt das bestimmt. Mittlerweile ist der Große 3 Jahre alt und vom freien Abend sind wir noch weit entfernt. Bei manchen Kindern klappt das vielleicht, aber leider nicht bei allen.

Gefühlsachterbahn

Manchmal brüllen Kinder. Man wickelt sie, man füttert sie, gibt zu trinken, ist da, schunkelt, singt, summt, schaut ob ihnen etwas weh tut oder sonst etwas fehlt und dann ist da – nichts .. außer Gebrüll. Abgesehen davon, dass das Gebrüll natürlich laut ist und man sich sehr hilflos fühlt, schlägt das gerne auch in Frust und Wut oder einen eigenen Heulkrampf um. Woher diese Gefühle kommen, lassen wir jetzt erstmal außen vor. Dazu gibt es viele Theorien und das sprengt den Rahmen definitiv. Doch man sollte sich per se darauf gefasst machen, dass der Wutanfall oder das Weinen des Kindes bei einem selbst starke Gefühle hervorrufen kann, die man mitunter vielleicht nicht so gut im Griff hat.

Ich habe bestimmt das eine oder andere vergessen und werde vielleicht noch etwas editieren. Doch das waren die ersten Dinge die mir bei „hätte ich das gewusst!“ eingefallen sind. Die Zeit mit unseren Kindern ist so voller Höhen aber auch Tiefen. Durch meine Kinder bin ich als Mensch unendlich gewachsen und darf mich jeden Tag neu kennenlernen. Ich habe gelernt zu hinterfragen und nicht mehr hinzunehmen. Ich durfte vieles aus meiner Kindheit aufarbeiten (egal wie gut man es machen will, jeder hat sein Päckchen aus der Kindheit mitbekommen) und staune jeden Tag aufs Neue wie viel mehr Kraft und Energie ich besitze als ich mir je hätte vorstellen können.

Und egal wo ihr gerade steht, denkt bitte daran – es geht alles irgendwie. Egal wie sehr ihr am Ende seid, wie müde ihr seid und wie kraftlos oder frustriert ihr euch fühlt – am Ende des Tages schafft ihr es. Vielleicht nicht perfekt, aber jeden Tag ein wenig besser. Schaut was für euch passt, was alle Beteiligten brauchen und handelt nach Werten statt nach Erziehungsratschlägen. Sucht euch Handlungsweisen, bei denen ihr euch am Ende des Tages noch in den Spiegel schauen könnt. Jeden Tag ein wenig mehr und besser. Blickt ihr dann nach einem Jahr zurück, werdet ihr staunen, was ihr schon geschafft habt.

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